ENGLISCHE GÄRTEN

Wer durch England reist, dem wird ganz schnell eines klar: Die Engländer sind leidenschaftliche Gärtner. Das gilt im Kleinen wie im Großen, sprich für den Vorgarten oder den Garten des privaten Einfamilienhauses genauso wie für Gärten und Parkanlagen in Städten oder auf dem Land. Letztere befinden sich oft in der Nähe von stattlichen Schlossanlagen, Burgen oder den so typischen Herrenhäusern. Eine Besonderheit ist dabei der englische Landschaftsgarten.

Englischer Garten um Leeds Castle in Kent mit Blumen, Sträuchern, Bäumen, geschwungenem Weg und einer Bank
Der Garten um Leeds Castle in Kent

Die Briten und ihre Faszination für Gärten

Schon allein das milde Klima bietet bei der Gestaltung eines englischen Gartens ganz andere Möglichkeiten als das in unseren Breitengraden der Fall ist. Das britische Klima wird durch den Golfstrom beeinflusst und ist dadurch verhältnismäßig mild. Dadurch rutscht selbst im Winter das Quecksilber der Thermometer selten unter die Nullmarke. Darüber hinaus regnet es im Durchschnitt eben doch öfter als beispielsweise in Mitteleuropa, auch wenn dies vielleicht nicht ganz so oft der Fall ist wie es der Ruf, der dem britischen Wetter vorauseilt, diesem bescheinigen möchte. So gedeihen in manchen Gegenden sogar südländische Pflanzen im milden regenreichen Wetter wunderbar. Mancherorts, vor allem im Südwesten des Landes, säumen selbst Palmen die Straßen. Da muss man dann doch noch ein zweites Mal hinschauen, um es wirklich glauben zu können! Vor allem die beiden Grafschaften Cornwall und Devon im Südwesten Englands sind Nutznießer des warmen regenreichen Klimas.

 

Schon zu Zeiten des Britischen Weltreiches kamen mit den ersten Seefahrern seltene Pflanzen und Samen auf die britischen Inseln, wurden hier in Gärten und Gewächshäusern kultiviert und faszinierten ihre Besucher damals wie heute. So sind Gartenausstellungen, wie die Chelsea Garden Show, im ganzen Land beliebt und bekannt und es zählt zu den bevorzugten Wochenendaktivitäten der Briten, zu einem Picknick aufs Land zu fahren und dabei einen Garten oder Park, vielleicht sogar mit das dazugehörige Herrenhaus oder Schloss zu besichtigen. Denn nach dem zweiten Weltkrieg wurde es für die Besitzer vieler historischer Gebäude schwieriger, ihr Haus oder Schloss und natürlich ebenso die Gärten und Parks zu unterhalten. Ein guter Kompromiss, der für sie den Weg aus dieser Misere bedeutete war oft, einen Teil oder gar das gesamte Haus oder Schloss für die Öffentlichkeit. Durch die Eintrittsgebühren trugen dazu bei, den Erhalt der Gebäude zu finanzieren. Die Besichtigung der dazugehörigen Gärten und Parks ist jedoch fast immer kostenlos.

Engischer Garten mit Weg und Treppe, Blumen, Büschen und Sträuchern und Bäumen
Szene eines typisch englischen Gartens

Der englische Landschaftsgarten

Doch was genau versteht man nun unter einem englischen Landschaftsgarten? Die englischen Landschaftsgärten wie wir sie heute kennen, nahmen ihren Ausgang im 18. Jahrhundert. Bis dahin war in England die gleiche Gartengestaltung wie andernorts in Europa an der Tagesordnung. Einerseits war sie von den klassischen streng vorgegebenen Formen der französischen Gärten geprägt. Andererseits beeinflussten sie die italienischen Vorstellungen, dass der Garten eine Weiterführung der ihn umgebenden Architektur sein müsse.

 

Doch ab circa den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts begannen sich neue Wege zu bahnen. Einfluss darauf hatte auch die politische Komponente jener Zeit, denn die strengen Formen der Gärten der Renaissance und des Barocks wurden auch als Ausdruck der absolutistischen Herrschaftsform vor allem in Frankreich gesehen. Mit der nun beginnenden Epoche der Aufklärung entdeckte man jedoch für sich selbst die Bedeutung der Natur völlig neu.

Englischer Landschaftsgarten mit See im Vordergrund, Bäumen und Gründflächen
Typische Szene eines englischen Landschaftsgartens

Zu dieser Entwicklung kam außerdem noch ein ganz anderer Umstand  hinzu. Bereits im 17. Jahrhundert hatte sich nämlich das Landschaftsbild auf den britischen Inseln grundlegend geändert. Mit der zunehmenden Bedeutung von Wolle benötigte man große Flächen an Weideland für Schafe. Dadurch mussten weite Landstriche gerodet werden. Land wurde eingefriedet und bot nun für Landschaftsarchitekten die besten Voraussetzungen, um sich, wie wir heute sagen würden, so richtig auszutoben.

 

All diese Entwicklungen zusammengenommen führten zu neuen Ideen, wonach die englischen Landschaftsgärten, wie der Name schon sagt, eine ideale Landschaft darstellen sollten, so dass man den Eindruck hat, sich in einem Landschaftsbild zu befinden. Die Natur wurde zum Vorbild genommen, obwohl jedoch alles im Garten von Menschenhand gestaltet und geplant wurde.

 

Typisches Merkmal des englischen Landschaftsgartens ist die Einbeziehung der ihn umgebenden Natur. Blumenbeete findet man selten. Sie sind auf ein Minimum beschränkt. Wasserläufe und Hügel, Seen und Teiche werden so gestaltet, dass alles ein harmonisches und naturnahes Bild ergibt. Die Wege führen in geschwungenen und nicht in geraden Linien durch die Gärten. Ergänzt wird dieses Bild durch Punkte, die den Blick einfangen, wie Pavillons oder gar kleine Tempel, Skulpturen und bizarre Felsformationen. So lädt der englische Landschaftsgarten den Besucher ein, ihn zu durchwandern und zu entdecken.

Literatur über Englische Gärten

Hast du Lust darauf bekommen, ein wenig mehr über englische Gärten zu erfahren? Dann findest du hier eine Übersicht zu Literatur über Englische Gärten:

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