DIE SCHÖNSTEN MODERNEN BRITISCHEN ROMANE FÜR ENGLAND-FANS

Bei britischer Literatur denken viele zunächst an Jane Austen, die Brontë-Schwestern, Charles Dickens oder Virginia Woolf. Doch auch die moderne britische Literatur hat viel zu bieten – und zeigt uns ein England, das wesentlich vielfältiger ist als das vertraute Bild von Cottages, Herrenhäusern und gepflegten Gärten.

 

Zeitgenössische Romane erzählen von jungen Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, von Familien, deren Wurzeln weit über England hinausreichen, und von älteren Menschen, die sich noch einmal auf etwas Neues einlassen. Dabei bleiben viele typisch britische Eigenschaften erhalten: trockener Humor, genaue Beobachtungen des Alltags und eine besondere Fähigkeit, ernste Themen mit seichten, manchmal skurrilen Momenten zu verbinden.

 

Unter „modern“ verstehe ich in dieser Auswahl vor allem Romane, die seit den 1980er-Jahren erschienen sind und sich mit dem England des späten 20. und frühen 21.

Jahrhunderts beschäftigen. Einzelne Bücher blicken etwas weiter zurück, werden aber aus einer modernen literarischen Perspektive erzählt.

Die schönsten modernen britischen Romane für England-Fans

MODERNE ROMANE ÜBER LONDON UND SEINE VIELEN WELTEN

#1 ZÄHNE ZEIGEN VON ZADIE SMITH

Archie Jones und Samad Iqbal lernen sich während des Zweiten Weltkriegs kennen. Jahrzehnte später leben beide mit ihren Familien in Nordwestlondon. Archie heiratet die wesentlich jüngere Jamaikanerin Clara. Samad und seine Frau Alsana stammen aus Bangladesch. Während die Eltern an ihren Erinnerungen, Überzeugungen und Vorstellungen festhalten, wachsen ihre Kinder in Großbritannien auf und versuchen, einen eigenen Umgang mit Herkunft, Religion und den Erwartungen ihrer Familien zu finden.

 

Zadie Smith erzählt mit viel Tempo, Witz und zahlreichen Figuren von Freundschaft, Migration, Wissenschaft, Glauben und dem komplizierten Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. London erscheint dabei als Stadt, in der ganz unterschiedliche Kulturen und Lebensentwürfe aufeinandertreffen.

 

„Zähne zeigen“ war Zadie Smiths Debütroman und wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen international bekannt.


#2 LONDON NW VON ZADIE SMITH

Leah, Natalie, Felix und Nathan stammen aus derselben Wohnsiedlung im Nordwesten Londons. Als Erwachsene haben sich ihre Lebenswege jedoch stark voneinander entfernt.

 

Natalie hat studiert, arbeitet als erfolgreiche Anwältin und lebt mit ihrer Familie in einem wohlhabenderen Viertel. Leah führt ein weniger geradliniges Leben und zweifelt zunehmend an den Erwartungen, die mit Ehe, Beruf und Mutterschaft verbunden sind. Felix versucht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, während Nathan am Rand der Gesellschaft lebt.

 

Der Roman zeigt, wie eng Herkunft, Wohnort und gesellschaftliche Stellung miteinander verbunden bleiben – selbst dann, wenn ein äußerer Aufstieg gelungen scheint. Zadie Smith experimentiert dabei mit Perspektiven, kurzen Kapiteln, Dialogen und unterschiedlichen sprachlichen Formen. „London NW“ bietet ein besonders vielschichtiges Bild des modernen London.


#3 QUEENIE VON CANDICE CARTY-WILLIAMS

Queenie Jenkins ist eine junge britisch-jamaikanische Journalistin und lebt in London. Nach der Trennung von ihrem Freund gerät ihr bisheriges Leben zunehmend aus dem Gleichgewicht. Sie versucht, den Schmerz mit Arbeit, Dates und spontanen Entscheidungen zu verdrängen. Gleichzeitig erlebt sie im Alltag immer wieder Rassismus und wird von Männern auf eine Weise behandelt, die sie selbst lange nicht richtig einordnen kann.

 

Unterstützung erhält Queenie von ihren Freundinnen und ihrer Familie. Doch sie muss lernen, Hilfe anzunehmen und sich mit Erfahrungen auseinanderzusetzen, über die in ihrem Umfeld kaum gesprochen wird.

 

Der Roman ist stellenweise sehr komisch, behandelt aber auch psychische Gesundheit, schwierige Beziehungen und die Folgen von Verletzungen. Queenie wird nicht als perfekte Heldin dargestellt, sondern als junge Frau, die Fehler macht und langsam erkennt, was sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigt.


#4 BRICK LANE VON MONICA ALI

Nazneen wächst in Bangladesch auf und wird als junge Frau mit dem deutlich älteren Chanu verheiratet. Gemeinsam ziehen sie in eine kleine Wohnung im Londoner East End.

 

Nazneen spricht zunächst kaum Englisch und kennt außerhalb der bengalischen Gemeinschaft nur wenige Menschen. Ihr Alltag wird von Haushalt, Kindern und den Plänen ihres Mannes bestimmt. Während Chanu davon träumt, eines Tages nach Bangladesch zurückzukehren, beginnt Nazneen, sich in England ein eigenes Leben aufzubauen. Sie arbeitet als Näherin, lernt neue Menschen kennen und entdeckt, dass sie mehr Einfluss auf ihre Zukunft besitzt, als sie bisher angenommen hatte.

 

„Brick Lane“ erzählt von Migration, Ehe, Religion und weiblicher Selbstständigkeit. Monica Ali zeigt dabei nicht nur die sichtbaren Straßen des East Ends, sondern auch das Leben innerhalb von Wohnungen und Gemeinschaften, die häufig verborgen bleiben.


#5 FREISCHWIMMEN VON CALEB AZUMAH NELSON

Ein junger Fotograf und eine Tänzerin begegnen sich in einem Londoner Pub. Zwischen beiden entsteht eine Verbindung, die von Musik, Kunst und gemeinsamen Erfahrungen geprägt ist.

 

Der namenlose Erzähler bewegt sich durch das südöstliche London, trifft Freunde, fotografiert und versucht, seine Gefühle in eine Sprache zu übersetzen. Gleichzeitig erlebt er, wie es ist, als Schwarzer junger Mann ständig beobachtet oder als Bedrohung wahrgenommen zu werden.

 

Caleb Azumah Nelson erzählt die Geschichte in einer poetischen, rhythmischen Sprache und spricht den Erzähler immer wieder mit „du“ an. Musik spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Straßen, Wohnungen und Treffpunkte Londons.

 

„Freischwimmen“ ist ein kurzer, konzentrierter Roman über Nähe, Verletzlichkeit und den Wunsch, von einem anderen Menschen wirklich gesehen zu werden. 


#6 DEN SOMMER IM OHR VON CALEB AZUMAH NELSON

Stephen wächst in einer ghanaisch-britischen Familie im Südosten Londons auf. Er liebt Musik, tanzt und versucht, seinen eigenen Platz zwischen Familie, Freundschaften und künstlerischen Träumen zu finden. Sein Vater besitzt klare Vorstellungen davon, welchen Weg sein Sohn einschlagen sollte. Stephen dagegen spürt, dass sein Leben nicht allein nach Sicherheit und gesellschaftlicher Anerkennung ausgerichtet sein kann.

 

Die Geschichte führt durch Londoner Sommer, Partys, Kirchenräume, Clubs und zu Familien. Musik verbindet die Generationen, wird aber auch zu einem Mittel, mit dem Stephen seine eigene Identität ausdrückt.

 

Caleb Azumah Nelson schreibt erneut rhythmisch und sehr sinnlich. Gerüche, Klänge und Bewegungen spielen eine große Rolle. „Den Sommer im Ohr“ ist auf Deutsch im Kampa Verlag erschienen und eignet sich besonders für Leser, die Musikromane und Familiengeschichten mögen.


#7 ZUSAMMENKUNFT VON NATASHA BROWN

Die namenlose Erzählerin hat scheinbar alles erreicht. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, arbeitet erfolgreich in der Londoner Finanzwelt und ist mit einem Mann aus einer wohlhabenden englischen Familie zusammen.

 

Ein sommerliches Gartenfest auf dem Landsitz seiner Eltern soll ihre Beziehung offiziell festigen. Doch schon auf dem Weg dorthin denkt die Erzählerin darüber nach, welchen Preis ihr gesellschaftlicher Aufstieg verlangt hat.

 

Sie erlebt rassistische Bemerkungen, Erwartungen und ständige Anpassung. Gleichzeitig erhält sie eine medizinische Diagnose, die sie zwingt, über ihren Körper und ihr bisheriges Leben neu nachzudenken.

 

„Zusammenkunft“ ist ein sehr kurzer, dichter Roman. Natasha Brown erzählt nicht ausführlich, sondern verdichtet Gedanken, Beobachtungen und Erinnerungen. Das Buch stellt die Frage, ob Erfolg tatsächlich Freiheit bedeutet, wenn die Regeln weiterhin von anderen bestimmt werden.


#8 PIGEON ENGLISH VON STEPHAN KELMAN

Der elfjährige Harri ist mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach London gezogen. Die Familie lebt in einer Hochhaussiedlung, während Harris Vater und seine jüngere Schwester zunächst in Ghana bleiben.

 

Als ein Junge in der Nachbarschaft erstochen wird, beginnt Harri gemeinsam mit einem Freund zu ermitteln. Die beiden sammeln Fingerabdrücke und beobachten mögliche Verdächtige, ohne zu erkennen, in welche Gefahr sie sich begeben.

 

Harri betrachtet seine Umgebung mit kindlicher Neugier. Gewalt, Armut und Bandenstrukturen werden deshalb nicht aus der Perspektive eines Erwachsenen erklärt, sondern erscheinen durch seine oft unschuldige Wahrnehmung besonders eindringlich.

 

Trotz des ernsten Hintergrunds besitzt der Roman auch Humor, Wärme und Lebensfreude. „Pigeon English“ war für den Booker Prize nominiert.


#9 DER BUDDHA AUS DER VORSTADT VON HANIF KUREISHI

Der elfjährige Harri ist mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach London gezogen. Die Familie lebt in einer Hochhaussiedlung, während Harris Vater und seine jüngere Schwester zunächst in Ghana bleiben.

 

Als ein Junge in der Nachbarschaft erstochen wird, beginnt Harri gemeinsam mit einem Freund zu ermitteln. Die beiden sammeln Fingerabdrücke und beobachten mögliche Verdächtige, ohne zu erkennen, in welche Gefahr sie sich begeben.

 

Harri betrachtet seine Umgebung mit kindlicher Neugier. Gewalt, Armut und Bandenstrukturen werden deshalb nicht aus der Perspektive eines Erwachsenen erklärt, sondern erscheinen durch seine oft unschuldige Wahrnehmung besonders eindringlich.

 

Trotz des ernsten Hintergrunds besitzt der Roman auch Humor, Wärme und Lebensfreude. „Pigeon English“ war für den Booker Prize nominiert.


Die schönsten modernen britischen Romane für England-Fans über Liebe, Freundschaft

LIEBE, FREUNDSCHAFT UND ERWACHSENWERDEN IM MODERNEN ENGLAND

#10 HIGH FIDELITY VON NICK HORNBY

Rob Fleming betreibt einen kleinen Plattenladen in Nordlondon. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern verbringt er viel Zeit damit, Musik in Ranglisten einzuordnen und über den Geschmack anderer Menschen zu urteilen.

 

Als seine Freundin Laura ihn verlässt, erstellt Rob eine Liste seiner fünf schlimmsten Trennungen. Er sucht frühere Partnerinnen auf, um herauszufinden, weshalb seine Beziehungen immer wieder scheitern.

 

Dabei wird zunehmend deutlich, dass Rob selbst einen erheblichen Anteil an seinen Problemen besitzt. Er liebt Musik, hat aber Schwierigkeiten, Verantwortung zu übernehmen und seine eigenen Gefühle ehrlich zu betrachten.

 

Nick Hornby verbindet Beziehungskomödie, Musikroman und Londoner Alltag. Viele Leser werden sich in den Gesprächen über Lieblingsalben, Trennungslieder und die Bedeutung von Musik im eigenen Leben wiederfinden. 


#11 BRIDGET JONES - SCHOKOLADE ZUM FRÜHSTÜCK VON HELEN FIELDING

Bridget Jones lebt in London, arbeitet in einem Verlag und nimmt sich zum Jahreswechsel vor, ihr Leben grundlegend zu verbessern. In ihrem Tagebuch dokumentiert sie ihr Gewicht, ihren Zigaretten- und Alkoholkonsum sowie die Entwicklung ihres Liebeslebens. Dabei schwankt sie zwischen ihrem charmanten, aber unzuverlässigen Chef Daniel Cleaver und dem zunächst wenig sympathisch wirkenden Mark Darcy.

 

Bridget muss sich außerdem gegen die Erwartungen ihrer Familie und die gut gemeinten Ratschläge verheirateter Freunde behaupten. Ihre Versuche, souverän und unabhängig zu wirken, enden regelmäßig im Chaos.

 

Der Roman wurde zu einem der bekanntesten britischen Unterhaltungsromane der 1990er-Jahre. Einige Vorstellungen über Gewicht und Beziehungen wirken heute zeittypisch, Bridgets Selbstironie besitzt jedoch weiterhin großen Charme.


#12 ZWEI AN EINEM TAG VON DAVID NICHOLLS

Emma Morley und Dexter Mayhew lernen sich am Abend ihres Universitätsabschlusses kennen. Sie verbringen die Nacht miteinander, gehen anschließend aber zunächst getrennte Wege.

 

Der Roman besucht beide Figuren über viele Jahre hinweg immer am selben Datum: dem 15. Juli. Emma versucht, ihre gesellschaftlichen und beruflichen Vorstellungen zu verwirklichen. Dexter arbeitet beim Fernsehen, genießt Aufmerksamkeit und scheint lange weniger klare Ziele zu besitzen.

 

Aus Freundschaft, verpassten Gelegenheiten, Nähe und Entfernung entsteht eine Beziehung, die sich über viele Lebensphasen entwickelt. Gleichzeitig zeigt der Roman Veränderungen im britischen Alltag von den späten 1980er-Jahren an.

 

David Nicholls erzählt humorvoll, romantisch und stellenweise melancholisch. Die Leser wissen häufig früher als die Figuren selbst, was sie einander bedeuten.


#13 ZWEI IN EINEM LEBEN VON DAVID NICHOLLS

Marnie lebt allein in London und arbeitet als Lektorin. Michael ist Geografielehrer und hat sich nach dem Ende seiner Ehe zunehmend von anderen Menschen zurückgezogen. Eine gemeinsame Freundin bringt beide bei einer Wanderung zusammen. Die Gruppe möchte den berühmten Coast-to-Coast-Weg durch Nordengland zurücklegen. Regen, steile Wege und wechselnde Unterkünfte sorgen dafür, dass Marnie und Michael mehr Zeit miteinander verbringen als ursprünglich geplant.

 

Der Roman verbindet eine erwachsene Liebesgeschichte mit den Landschaften Nordenglands. Der Weg führt vom Lake District über die Yorkshire Dales bis zur Küste.

 

David Nicholls erzählt von Einsamkeit, Freundschaft und der Frage, wie zwei Menschen wieder Vertrauen fassen können. Anders als viele Liebesromane konzentriert sich das Buch auf Figuren, die bereits Enttäuschungen erlebt und ein eigenes Leben aufgebaut haben.


#14 GESPENSTER VON DOLLY ALDERTON

Nina Dean ist Anfang dreißig, lebt in London und arbeitet erfolgreich als Kochbuchautorin. Ihr berufliches Leben entwickelt sich gut, während sich ihr privates Umfeld zunehmend verändert.

 

Viele ihrer Freunde heiraten, bekommen Kinder oder ziehen aus London fort. Ninas Vater zeigt erste deutliche Anzeichen einer Demenzerkrankung. Gleichzeitig lernt sie über eine Dating-App Max kennen, der zunächst genau der richtige Mann zu sein scheint.

Dann verschwindet er plötzlich aus ihrem Leben.

 

Dolly Alderton erzählt von Ghosting, Freundschaft, Familienbeziehungen und den besonderen Einsamkeiten des modernen Großstadtlebens. Der Roman ist humorvoll, ohne die Verunsicherung seiner Hauptfigur zu verharmlosen.

 

„Gespenster“ zeigt außerdem, wie sich Freundschaften verändern, wenn Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen ankommen.


#15 AM ENDE IST ES EIN ANFANG VON DOLLY ALDERTON

Andy ist 35, arbeitet als Comedian und glaubte, mit seiner Freundin Jen eine gemeinsame Zukunft zu haben. Dann beendet Jen überraschend die Beziehung. Andy versucht zu verstehen, was geschehen ist. Er analysiert Gespräche, beobachtet Jen in sozialen Medien und erzählt seinen Freunden immer wieder seine Version der Trennung.

 

Dabei wird langsam deutlich, dass jede Beziehung mindestens zwei Perspektiven besitzt. Was Andy als vollkommen unerwartetes Ende erlebt, hat für Jen eine längere Vorgeschichte.

 

Dolly Alderton erzählt diesmal aus männlicher Sicht über Trennungsschmerz, Selbsttäuschung und das schwierige Erwachsenwerden einer Generation, die längst erwachsen sein sollte. Trotz des ernsten Themas besitzt der Roman viel Humor.


#16 LOVE TO SHARE - LIEBE IST DIE HALBE MIETE VON BETH O'LEARY

Tiffy benötigt dringend eine bezahlbare Wohnung in London. Leon braucht zusätzliches Geld, arbeitet nachts und ist tagsüber kaum zu Hause. Die beiden einigen sich auf ein ungewöhnliches Modell: Sie teilen sich nicht nur eine Wohnung, sondern auch ein Bett – allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Leon nutzt es tagsüber, Tiffy nachts und am Wochenende.

 

Anfangs kommunizieren sie ausschließlich über kleine Notizen, die sie in der Wohnung hinterlassen. Aus organisatorischen Nachrichten entwickelt sich langsam eine persönliche Verbindung.

 

Der Roman ist eine romantische Komödie, behandelt aber auch ernstere Themen. Tiffy erkennt nach und nach, wie stark ihre frühere Beziehung von Kontrolle und Manipulation geprägt war.

 

Beth O’Leary verbindet die angespannte Londoner Wohnungssituation mit einer originellen Liebesgeschichte. 


Die schönsten modernen britischen Romane für England-Fans über Gemeinschaft, Freundschaft und neue Anfänge

GEMEINSCHAFT, FREUNDSCHAFT UND NEUE ANFÄNGE

#17 MONTAGS BEI MONICA VON CLARE POOLEY

Der ältere Künstler Julian Jessop fühlt sich einsam und ist überzeugt, dass die Menschen einander kaum noch die Wahrheit über ihr Leben erzählen. Er schreibt seine eigene Geschichte in ein grünes Notizbuch, nennt es „Das Projekt Aufrichtigkeit“ und legt es in einem Londoner Café ab. Die Cafébesitzerin Monica findet das Buch, ergänzt ihre eigene Geschichte und gibt es weiter. Nach und nach schreiben mehrere Menschen hinein. Obwohl sie zunächst nichts voneinander wissen, führen die Einträge sie schließlich zusammen.

 

Clare Pooley erzählt von Einsamkeit, Freundschaft und dem Unterschied zwischen dem Bild, das wir nach außen zeigen, und dem Leben, das wir tatsächlich führen. Das Café wird zu einem Ort, an dem Menschen verschiedener Generationen und Lebenssituationen eine Gemeinschaft bilden.


#18 IM FREIBAD VON LIBBY PAGE

Rosemary ist 86 Jahre alt und hat fast ihr ganzes Leben im Londoner Stadtteil Brixton verbracht. Viele vertraute Orte sind inzwischen verschwunden oder haben sich stark verändert. Als auch das örtliche Freibad geschlossen und das Gelände bebaut werden soll, möchte Rosemary das nicht hinnehmen. Die junge Journalistin Kate soll über den Protest berichten.

 

Kate ist erst vor Kurzem nach London gezogen und leidet unter Panikattacken und Einsamkeit. Durch Rosemary, das Schwimmen und die Menschen rund um das Freibad beginnt sie, in der Stadt anzukommen.

 

Libby Page verbindet die Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Frauen mit Fragen nach Stadtentwicklung, Gentrifizierung und der Bedeutung öffentlicher Orte.

Der Roman erschien zunächst unter einem anderen deutschen Titel und ist inzwischen als „Im Freibad“ erhältlich.


#19 STERNE BEI TAG VON BETH MORREY

Missy Carmichael ist 79 Jahre alt und lebt allein in einem großen Londoner Haus. Ihr Mann ist gestorben, ihr Sohn lebt im Ausland, und das Verhältnis zu ihrer Tochter ist angespannt.

 

Bei einem Spaziergang im Park begegnet sie zwei jüngeren Frauen, einem kleinen Jungen und einem Hund. Aus zufälligen Treffen entsteht langsam eine neue Gemeinschaft.

Missy ist zunächst zurückhaltend und nicht immer einfach. Sie hat gelernt, ihre Gefühle zu verbergen und Hilfe abzulehnen. Doch die neuen Bekanntschaften bringen Bewegung in ihr geregeltes Leben.

 

Beth Morrey erzählt von Einsamkeit im Alter, vergangenen Entscheidungen und der Möglichkeit, eine Familie auch außerhalb biologischer Verwandtschaft zu finden. London erscheint hier als Stadt, in der Einsamkeit und unerwartete Nähe direkt nebeneinanderliegen. 


#20 WIE ARTHUR PEPPER SICH VOR SEINER NACHBARIN VERSTECKTE UND AM ENDE DOCH SEIN HERZ FAND VON PHAEDRA PATRICK

Arthur Pepper ist 69 Jahre alt, verwitwet und lebt in Yorkshire. Seit dem Tod seiner Frau hält er an einem streng geregelten Alltag fest. Als er ihre Kleidung aussortiert, entdeckt er ein ungewöhnliches Bettelarmband, das er noch nie zuvor gesehen hat. Jeder Anhänger scheint mit einem Abschnitt aus dem früheren Leben seiner Frau verbunden zu sein.

 

Arthur beginnt nachzuforschen. Die Suche führt ihn aus seinem vertrauten Alltag heraus und lässt ihn erkennen, dass seine Frau vor der Ehe ein Leben führte, von dem er kaum etwas wusste.

 

Der Roman entwickelt sich von einer Spurensuche zu einer Geschichte über Trauer, Neugier und den Mut, wieder am Leben teilzunehmen. Ein Teil der Reise führt über England hinaus; Ausgangspunkt und emotionaler Mittelpunkt bleiben jedoch Arthurs Zuhause in Yorkshire. Der lange deutsche Titel ist zugleich eine gute Zusammenfassung seines persönlichen Weges.


#21 DREI DINGE ÜBER ELSIE VON JOANNA CANNON

Florence Claybourne ist 84 Jahre alt und lebt in einer englischen Seniorenresidenz. Eines Tages erkennt sie in einem neuen Bewohner einen Mann, den sie aus ihrer Vergangenheit kennt. Das Problem: Dieser Mann soll bereits vor Jahrzehnten gestorben sein.

 

Florence versucht gemeinsam mit ihrer Freundin Elsie herauszufinden, was hinter seiner Rückkehr steckt. Gleichzeitig droht ihr die Heimleitung mit einem Umzug in einen stärker betreuten Bereich, weil sie Florence für zunehmend verwirrt hält.

 

Der Roman verbindet ein altes Geheimnis mit Fragen nach Erinnerung, Würde und dem Umgang mit älteren Menschen. Florence ist keine passive Beobachterin, sondern eine eigensinnige Erzählerin, deren Wahrnehmung jedoch nicht immer zuverlässig erscheint.

„Drei Dinge über Elsie“ ist zugleich rätselhaft, humorvoll und berührend. 


#22 ELIZABETH WIRD VERMISST VON EMMA HEALEY

Maud weiß, dass ihre Erinnerung sie zunehmend im Stich lässt. Sie schreibt sich Zettel, vergisst Verabredungen und erkennt manchmal vertraute Gegenstände nicht wieder. Eines ist ihr jedoch sicher: Ihre Freundin Elizabeth ist verschwunden.

 

Mauds Familie und die Polizei nehmen ihre Sorge nicht ernst. Während sie weiter nach Elizabeth sucht, vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Maud erinnert sich an ihre ältere Schwester Sukey, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand.

 

Emma Healey erzählt konsequent aus Mauds Perspektive. Dadurch erlebt der Leser Verwirrung und Erinnerungslücken unmittelbar mit, erkennt aber zugleich Zusammenhänge, die der Hauptfigur entgleiten. Der Roman verbindet ein Rätsel mit einem sehr einfühlsamen Blick auf Demenz, Familie und die Bedeutung alter Erinnerungen. 


Die schönsten modernen britischen Romane für England-Fans über Familie und ungewöhnliche Perspektiven

BRITISCHER HUMOR, FAMILIE UND UNGEWÖHNLICHE PERSPEKTIVEN

#23 SUPERGUTE TAGE ODER DIE SONDERBARE WELT DES CHRISTOPHER BOONE VON MARK HADDON

Christopher Boone ist fünfzehn Jahre alt, liebt Mathematik und fühlt sich mit klaren Regeln wohler als mit schwer durchschaubaren menschlichen Beziehungen. Als der Hund seiner Nachbarin tot im Garten liegt, beschließt Christopher, den Täter zu finden. Er schreibt seine Ermittlungen in einem Buch auf und nummeriert die Kapitel ausschließlich mit Primzahlen.

 

Die Suche führt jedoch zu einem Geheimnis innerhalb seiner eigenen Familie. Schließlich muss Christopher seine vertraute Umgebung in Swindon verlassen und allein nach London reisen.

 

Mark Haddon erzählt die Geschichte vollständig aus Christophers Perspektive. Dadurch erscheinen alltägliche Situationen, Gespräche und eine Zugfahrt auf ungewohnte Weise.

Der Roman ist zugleich Familiengeschichte, Detektivgeschichte und ein Buch über Wahrnehmung. 


#24 DER WUNDE PUNKT VON MARK HADDON

George Hall entdeckt eine kleine Hautveränderung und ist sofort überzeugt, schwer krank zu sein. Statt einen Arzt aufzusuchen oder mit seiner Familie zu sprechen, steigert er sich immer weiter in seine Ängste hinein. Gleichzeitig bereitet seine Tochter Katie ihre zweite Hochzeit vor. Ihr Bruder Jamie führt eine Beziehung, über die er innerhalb der Familie kaum spricht. Georges Frau Jean wiederum besitzt ein eigenes Geheimnis.

 

Aus den unterschiedlichen Problemen entwickelt sich eine zunehmend chaotische Familiengeschichte. Mark Haddon betrachtet Ängste, Ehe, Alter und gesellschaftliche Erwartungen mit schwarzem Humor.

 

Der Roman zeigt eine scheinbar gewöhnliche englische Familie, hinter deren gepflegter Fassade kaum jemand so souverän ist, wie er nach außen wirkt. „Der wunde Punkt“ ist weniger ungewöhnlich konstruiert als „Supergute Tage“, aber ebenso genau in der Beobachtung menschlicher Schwächen.


#25 DIE SOUVERÄNE LESERIN VON ALAN BENNETT

Königin Elizabeth II. entdeckt zufällig einen mobilen Bibliotheksbus, der hinter dem Buckingham Palace hält. Aus Höflichkeit leiht sie ein Buch aus. Was zunächst wie eine einmalige Pflichtübung erscheint, entwickelt sich zu einer großen Leidenschaft. Die Queen liest immer mehr, beginnt andere Fragen zu stellen und betrachtet ihre Aufgaben sowie die Menschen um sie herum zunehmend kritisch.

 

Ihre Mitarbeiter sind von dieser Veränderung wenig begeistert. Lesen benötigt Zeit, lässt sich nicht genau kontrollieren und bringt die Monarchin auf Gedanken, die nicht in den üblichen Tagesablauf passen.

 

Alan Bennetts kurze Erzählung ist eine liebevolle Satire über das britische Königshaus und zugleich eine Hommage an das Lesen. Der Text fragt, was Bücher mit einem Menschen machen können – selbst dann, wenn dieser scheinbar schon alles gesehen hat. 


#26 DIE QUEEN UND ICH VON SUE TOWNSEND

Bei einer britischen Parlamentswahl gewinnt überraschend eine republikanische Partei. Die Monarchie wird abgeschafft, und die königliche Familie muss den Buckingham Palace verlassen.

 

Die Windsors werden in eine einfache Wohnsiedlung in Leicester umgesiedelt. Dort müssen sie lernen, mit knappen finanziellen Mitteln, ungewohnten Nachbarn und einem Alltag ohne Personal zurechtzukommen. Während einige Familienmitglieder erstaunlich anpassungsfähig reagieren, haben andere große Schwierigkeiten mit dem Verlust von Status und Privilegien.

 

Sue Townsend nutzt die ungewöhnliche Ausgangslage für eine bissige Gesellschaftssatire. Dabei macht sie sich sowohl über das Königshaus als auch über Politik, Bürokratie und die britische Klassengesellschaft lustig.

 

Der Roman erschien bereits Anfang der 1990er-Jahre, wirkt in seinen Fragen nach sozialer Ungleichheit und öffentlicher Inszenierung jedoch weiterhin aktuell. 


#27 LICHTE TAGE VON SARAH WINMAN

Ellis und Michael wachsen in Oxford auf und sind seit ihrer Jugend eng miteinander verbunden. Als Annie in ihr Leben tritt, verändert sich die Beziehung zwischen ihnen.

 

Der Roman erzählt von Freundschaft, Liebe, Kunst und Verlust. Ein Teil der Geschichte führt nach Südfrankreich, doch Oxford, die englische Arbeiterwelt und das gemeinsame Leben von Ellis und Annie bleiben zentrale Bezugspunkte.

 

Sarah Winman schreibt sehr konzentriert und lässt vieles unausgesprochen. Kleine Gesten, Erinnerungen und Kunstwerke besitzen häufig mehr Bedeutung als lange Erklärungen.

 

„Lichte Tage“ ist kein klassischer Liebesroman. Das Buch erzählt von unterschiedlichen Formen der Liebe und von Menschen, die nicht immer die Worte für das finden, was sie füreinander empfinden. 


#28 DER PERFEKTE KREIS VON BENJAMIN MYERS

Im Sommer 1989 ziehen Redbone und Calvert nachts durch die Landschaft von Wiltshire. Mit einfachen Werkzeugen legen sie in Getreidefeldern komplizierte Muster an.

 

Ihre Kornkreise sollen am Morgen entdeckt werden und die Menschen zum Staunen bringen. Sie möchten keine Anerkennung und kein Geld, sondern etwas Schönes schaffen, das nur für kurze Zeit bestehen wird.

 

Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich. Redbone ist gesellig, kreativ und spontan. Calvert hat als Soldat traumatische Erfahrungen gemacht und sucht in der nächtlichen Arbeit Ruhe und Ordnung.

 

Benjamin Myers verbindet ihre Freundschaft mit einer eindrucksvollen Beschreibung der südenglischen Landschaft. Felder, alte Wege, Hügel und prähistorische Monumente werden zu einem eigenen Teil der Geschichte. „Der perfekte Kreis“ ist ein moderner Roman über Kunst, Natur und Vergänglichkeit.


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