Die Briten und der Tee - Das beliebteste Getränk der Nation

Er ist das beliebteste Getränk der Briten schlechthin: Tee. Weltweit haben sie den Ruf einer Teetrinkernation und werden in der Höhe des jährlichen Pro-Kopf-Konsums nur von den Iren übertrumpft. Auch wenn heutzutage an vielen Ecken des Landes Cafés aus dem Boden zu schießen scheinen, so ist doch die Beliebtheit des Tees ungebrochen.

Die Briten und der Tee, Englischer Tee Zubereitung und Geschichte des Teetrinkens in England: Cream Tea.
Ganz typisch zum Five-o'clock Tea vor allem in Devon und Cornwall: Scones mit Marmelade und Clotted Cream.

Wann wird in England eigentlich Tee getrunken?

So kann der Morgen schon mit einer guten Tasse Early Morning Tea beginnen, während in den Unternehmen landesweit Teepausen zum unbedingten Tagesablauf gehören, an denen möglichst nicht gerüttelt werden darf. Nachmittags gibt es dann den Afternoon Tea bzw. den Five-o’clock-Tea. Eine ganz so strenge Zeitvorgabe dazu gibt es nicht und nachmittags wird der Tee heutzutage zwischen 14 und 17 Uhr eingenommen. Im Norden Englands stößt man auch heute noch auf den Begriff des einst überall verbreiteten High Tea.

Die Briten und der Tee, Englischer Tee Zubereitung und Geschichte des Teetrinkens in England: Wann wird in England Tee getrunken

Wie wird der Tee in England getrunken?

Der Tee wird in England jedenfalls entweder mit Milch oder mit Zitrone und Zucker getrunken. Das rührt vermutlich vor allem daher, dass in England bis heute vor allem die besonders kräftigen Tees aus Indien, vor allem Assam, Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) und sogar Indonesien verbreitet sind. Teemischungen sind eher selten, wenn man vom Earl Grey Tea einmal absieht. Außerdem verbleiben die losen Teeblätter in der Kanne, sodass der Tee mit der Zeit immer stärker wird. Kräuter- oder Früchtetees werden übrigens nicht als Tee bezeichnet, sondern tragen den Namen „infusion“ oder eben „herbal infusion“ für die Kräutertees.

Die Briten und der Tee, Englischer Tee Zubereitung und Geschichte des Teetrinkens in England, Whittard Tea
Die Teeläden von Whittard findet man allerorts.

Was wird in England zum Tee gereicht?

Beim traditionellen Five-o’clock-Tea gibt es zum Tee kleine Sandwiches, die entweder mit Lachs, aber meist mit Eierscheiben, Kresse und Gurken belegte sind, Scones mit Konfitüre und Clotted Cream und Gebäck. In Devon und Cornwall werden zu Tee wiederum nur Scones und Clotted Cream gereicht. Das kann also regional variieren.

 

Dabei sind so manche Details bis heute nicht geklärt und werden von den Briten gern diskutiert, ohne jemals zu einem wirklichen Ergebnis zu führen, nämlich was man zuerst in die Tasse gießt: Tee zuerst und dann Milch oder eben genau anders herum. Genauso ist nicht sicher, ob man die Scones erst mit Konfitüre und dann mit Clotted Cream bestreicht oder eben in umgekehrter Reihenfolge. Der oben erwähnte High Tea ist wiederum Teil einer richtigen Mahlzeit, bei dem zum Tee sogar Fleisch, Rührei und Salat gegessen wird. Eben ein richtiges Abendessen. 

Die Briten und der Tee, Englischer Tee Zubereitung und Geschichte des Teetrinkens in England: Wie der Tee nach England kam
Teeplantagen

Wie kam der Tee nun eigentlich nach England?

Die Entwicklung der Briten zu einer Nation so passionierter Teetrinker fand im 17. Jahrhundert seinen Ausgang. Der erste Tee gelangte 1644 durch die Niederländer nach England und wurde in einzelnen, der damals typischen Kaffeehäusern der Insel ausgeschenkt. Schon in diesen Anfangszeiten wurde auf die gesundheitlichen Vorteile des Tees hingewiesen. Bis dahin war auf den Britischen Inseln vor allem in den ärmeren Teilen der Gesellschaft nämlich der Konsum von Bier sogar schon früh morgens eine Selbstverständlichkeit. Für die einfachen Leute stellte Bier gar einen festen Bestandteil ihrer Ernährung dar. Wasser war damals aufgrund mangelnder Reinheit nicht so verlässlich, da es schnell zu Krankheiten wie Cholera führen konnte. Als Luxusgetränk galt damals überall im Lande noch der Kaffee. Dies änderte sich nun durch den Tee.

 

So richtigen Aufschwung erhielt der Tee jedoch ab 1662. In diesem Jahr heiratete nämlich Karl II. die portugiesische Prinzessin Katharina von Braganza, die Tee aus ihrer Heimat Portugal kannte und liebte. Nun breitete sich der Tee unter dem britischen Adel aus und es wurde als en vogue angesehen, Tee zu trinken und gehörte einfach zum guten Geschmack. Bald wurde es üblich, in Damenzirkeln Tee zu trinken, und der Tee breitete sich nun auch im Bürgertum aus und erreichte letztendlich die gesamte Gesellschaft.

 

Anfangs konnten sich jedoch die einfachen Leute Tee nicht leisten, was dem Schmuggel Vorschub leistete. In der einfachen Gesellschaft behalf man sich nun, indem man mit gestrecktem Tee Abhilfe schuf. Die englische Regierung hatte nämlich erkannt, dass sie durch Tee gut verdienen konnte und hatte nicht nur der Britischen Ostindien Kompanie das Monopol für den Teehandel erteilt, sodass nur sie allein Tee nach Großbritannien importieren durfte. 1676 setzte man unter Karl II. auch gleichzeitig noch eine Teesteuer auf sage und schreibe 119 Prozent fest. Aufgrund der negativen Auswirkungen durch Schmuggel und eben den gestreckten Tee mit seinen gesundheitlichen Nebenwirkungen, reduzierte man unter dem britischen Premierminister William Pitt 1784 die Teesteuer auf vergleichbar erträgliche 12,5 Prozent. Damit wurde dem Schmuggel ein Ende gesetzt und die Qualität des Tees auch in ärmeren Kreisen verbessert.

 

Im 19. Jahrhundert dann erhielt das Teetrinken durch keinen geringeren als Queen Victoria noch einmal richtigen Aufschub, die sich gern selbst mit einer Tasse Tee hinsetzte. Während ihrer Regierungszeit wurde das Teetrinken eben unter der Bevölkerung im ganzen Land zum festen Bestandteil des Tagesablaufs – und ist es bis heute geblieben.

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Twinings in London: Eines der traditionsreichen Häuser für englischen Tee.

Auf den Spuren der Britischen Teekultur heute

Im Alltag finden allerdings heute vor allem die eben praktischen, weil schneller zubereiteten Teebeutel Verwendung, die aber eben keine allzu gute Qualität haben. Wer einmal eine Teeplantage besucht hat, weiß, dass in die weit verbreiteten Teebeutel meist nicht wirklich qualitativ guter Tee gefüllt wird.

 

Aber nichtsdestotrotz trinkt nicht jeder Tee aus Teebeuteln und es werden auch lose Tees noch vielerorts aufgebrüht. Vor allem, wenn du dir einen richtigen Five-o’clock-Tea in einem der leider immer seltener werdenden Teehäuser, aber auch in einem Café oder gar in einem Hotel gönnst, dann wirst du einen guten, mit losen Teeblättern aufgebrühten Tee mit allem Drumherum serviert bekommen. Halte deshalb auf deiner Reise durch England einfach nach Teehäusern oder nach Hinweisschildern für den „Afternoon Tea“ oder den „Five-o’clock-Tea“ Ausschau oder frage in deiner Unterkunft nach.

 

Wer beispielsweise in London ganz besonders elegant den Five-o’clock-Tea genießen und dafür auch etwas tiefer in die Geldbörse greifen möchte, der kann sich diesen auch gut und gerne im Hotel The Ritz (150 Piccadilly, St. James’s, London W1J 9BR, https://www.theritzlondon.com/dine-with-us/afternoon-tea/) oder im The Savoy (The Strand, London WC2R 0EZ, https://www.thesavoylondon.com/de/experience/afternoon-tea-london/) gönnen, die beide dafür bekannt sind. Oder aber du nimmst an einer Teeverkostung bei Twinings teil, einer der traditionsreichen Adressen für guten Tee im Land (216 The Strand, London WC2R 1AP). Auf der Webseite von Twinings findest du auch noch weitere Adressen für einen Five-o’clock Tea in eleganter Umgebung: https://www.twinings.co.uk/about-twinings/latest-news-and-articles/afternoon-tea-in-london.

Buchempfehlungen zum Thema Tee und Rezepte rund um den Tee

Aber selbst wenn du derzeit nicht nach England reist, gibt es zahlreiche Bücher rund um das Thema Tee mit tollen Rezepten, nach denen du dir einen Five-o’clock-Tea in den eigenen vier Wänden gestalten kannst.

Hier findest du unsere Favoriten, die du direkt bei Amazon oder anderswo bestellen kannst:

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • ISBN-13: 978-3831027880
  • Größe und/oder Gewicht: 20.2 x 2.2 x 24.4 cm
  • ISBN-10: 3831027889
  • Herausgeber: Dorling Kindersley Verlag GmbH (24. September 2015)
  • Sprache: Deutsch

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • ISBN-10: 3898369633
  • Größe und/oder Gewicht: 22.6 x 2.5 x 22.7 cm
  • ISBN-13: 978-3898369633
  • Herausgeber: Komet; 1., Aufl. Auflage (31. März 2010)
  • Sprache: Deutsch

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • ISBN-10: 3991001047
  • ISBN-13: 978-3991001041
  • Größe und/oder Gewicht: 16.4 x 2 x 23.6 cm
  • Herausgeber: Braumüller Verlag (15. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch

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