DIE GESCHICHTE DER CINQUE PORTS  CONFEDERATION

Wer durch die heutigen Grafschaften Kent und Sussex reist wird immer wieder über den Begriff „Cinque Ports Confederation“ stolpern. Aber was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Nun, „cinque“ kommt aus dem Französischen und bedeutet nichts anderes als die Zahl „fünf“. „Port“ steht für „Hafen“ und „confederation“, ähnlich wie im Deutschen geschrieben, war also ein Zusammenschluss, ein Verbund.

Blick auf die mittelalterlichen Straßen in Rye, England, einem einstigen Mitglied der Cinque Port Confederation.
Die mittelalterlichen Straßen in Rye - einstiges Mitglied der Cinque Port Confederation

Somit ist die Cinque Ports Confederation also nichts anderes als ein Verbund verschiedener Städte und Dörfer, die an der Küste Südostenglands, in den heutigen Grafschaften Kent und Sussex lagen. Zunächst war es ein Zusammenschluss von fünf damals wichtigen Hafenstädten, nämlich Dover, Hastings, Hythe, New Romney und Sandwich. Nachdem New Romney von Versandung betroffen und durch Stürme zerstört worden war, trat Rye an seinen Platz. Rye und seine Nachbarstadt Winchelsea waren vorher bereits mit der Cinque Ports Confederation verbunden gewesen und stellten Kontingente zur Verteidigung des Landes. Man spricht von beiden in diesem Zusammenhang als den sogenannten „Ancient Towns“.

 

Darüber hinaus waren mit der Cinque Port Confederation weitere Städte und Dörfer verbunden, sogenannte „Limbs“. Dabei handelte es sich um Faversham, Folkstone und Margate als Limb zu Dover, des Weiteren um Lydd, Limb zu New Romney, um Deal und Ramsgate, beide Limbs zu Sandwich und schließlich um Tenterden, als  Limb zu Rye.

 

Zusätzlich kamen mehr als 20 damals kleine Städte und Dörfer hinzu, die ebenfalls mit der Cinque Ports Confederation verbunden waren. Zu diesen gehörten unter anderem Bexhill-on-Sea, Eastbourne, Pevensey und Reculver.

 

Die Mitglieder der Cinque Ports Confederation erhielten vom König eine ganze Reihe bedeutender Privilegien. Zu den wichtigsten darunter gehörte, dass sie von Steuern, Zöllen, Abgaben und Steuern auf die Einfuhr von Ware ins Land freigestellt waren, sie selbst Zölle und Abgaben erheben durften und ihnen eine eigene Rechtsprechung sowie Selbstverwaltung zugestanden wurden. Diese Rechte erhielten sowohl die Cinque Ports und die beiden Ancient Towns wie auch die mit ihnen verbunden Städte und Dörfer, die limbs. Die Cinque Ports und die beiden Ancient Towns durften darüber hinaus zwei Mitglieder für das englische Parlament stellen.

 

Im Ausgleich dafür waren sie verpflichtet, dem König jährlich 57 Schiffe für die Dauer von 15 Tagen zur Verfügung zu stellen. Jedes Mitglied der Cinque Ports Confederation hatte dabei einen eigenen Anteil zu erfüllen und jedes Schiff sollte mit einer Besatzung von 21 Mann und einem Schiffsjungen ausgestattet sein. Zu jenen Zeiten unterhielt der König noch keine dauerhaft bereitstehende Schiffsflotte, weshalb dieser Dienst der Cinque Ports Confederation vor allem in Krisenzeiten zur Verteidigung des Landes ungemein wichtig war.

 

Man nimmt an, dass die Cinque Ports Confederation bis in die Zeit der Angelsachsen zurückgeht. Spätestens aber seit der Zeit der Normannen ist sie verbrieft, denn 1260 legte eine Royal Charta Rechte und Pflichten der Cinque Ports Confederation sowie der Krone fest, obgleich ähnliche Festlegungen mit einzelnen Städten der künftigen Cinque Ports Confederation schon aus dem vorhergehenden Jahrhundert stammen. 1596 stellte die Cinque Ports Confederation der Krone letztmalig Schiffe zur Verfügung. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatte ihre Bedeutung abgenommen. Gründe hatte das viele. Die weitaus wichtigsten darunter war zum einen, dass ein Großteil der Häfen der Cinque Ports Confederation zu versanden begann. Einzig Dover ist bis heute ein wichtiger Hafen geblieben. Zum anderen hatte sich die Seefahrt weiterentwickelt, weitaus größere Schiffe fuhren nun an den Küsten entlang. Die kleinen Schiffe der Cinque Ports Confederation mit ihrer 21 Mann starken Besatzung in ihren Häfen mit vergleichsweise niedrigem Wasserstand mussten den großen Segelschiffen Platz machen. Größere Häfen wie Plymouth, Portsmouth und Southampton entstanden. Hier konnten die größeren Schiffe navigieren. Vor allem unter den Tudors, seit der Thronbesteigung Heinrich VII., schritt diese Entwicklung voran. Man muss nur bedenken, welche großen Ereignisse inzwischen die Welt verändert hatten: Die Königreiche Spanien und Portugal hatten neue Seewege entdeckt und Fuß in der Neuen Welt gefasst. 1492 entdeckte Columbus im Auftrag der spanischen Krone Amerika, 1498 umsegelte der Portugiese Vasco de Gama das Kap der Guten Hoffnung und fand damit einen neuen Seeweg nach Indien. In der nun anbrechenden neuen Zeit begannen Portugal, Spanien und dann auch die Niederlande die Welt als Kolonialmächte quasi unter sich aufzuteilen. Doch England sollte ihnen bald folgen und bekanntermaßen ein weltumspannendes Kolonialreich aufbauen.

 

Heute pflegen die einstigen Mitglieder der Cinque Ports Confederation ihr kulturelles Erbe. Während einer Reise durch diese Städte und Dörfer kann man leicht in die Vergangenheit eintauchen und bei einem Besuch der Museen und einstigen Häfen das Bild glorreicher Zeiten vor dem eigenen Auge auferstehen lassen.

 

Wer weitere Informationen sucht, der wird auf der offiziellen Webseite der Cinque Ports Confederation fündig unter:

https://cinqueports.org.