DIE GESCHICHTE DER TUDORS

Wer durch England reist, der wird immer wieder über eine Dynastie des englischen Königshauses stolpern, die aus den verschiedenen Dynastien des englischen Königshauses herauszuragen scheint. Sie brachte den wohl charismatischsten König Englands hervor und die ersten Königinnen auf dem englischen Thron. Ihre Herrscher und Herrscherinnen legten Schritt für Schritt den Grundstein für das spätere, die Welt umspannende Kolonialreich Großbritanniens. Unter ihrer Ägide kam es zur Loslösung Englands von der katholischen Kirche, ein Schritt, der mit seinen Auswirkungen die Geschicke Englands in eine Richtung lenkte, die entscheidend für die Zukunft des Landes werden sollten. Der Name der Dynastie? Nun, die Rede ist von der Dynastie der Tudors

Die Geschichte der Tudors: Heinrich VII.

Die Geschichte der Tudors: König Heinrich VII. - Wie die Tudors den Sprung auf den englischen Thron schafften

Die Dynastie der Tudors nahm ihren Anfang mit der Thronbesteigung Heinrich VII. Er war der erste Tudor-Herrscher, der den englischen Thron bestieg. Damit folgten die Tudors der ihnen vorausgegangenen Dynastie der Plantagenets, die beinahe dreihundert Jahre die Fäden im Land in der Hand gehabt hatte. Wo kamen die Tudors jedoch her? Und wie schafften sie es, den englischen Thron zu erklimmen?

 

Die Tudors waren ein walisisches Adelsgeschlecht, deren Stammbaum sich bis ins Jahr 14. Jahrhundert, zu einem gewissen Owen Tudor zurückverfolgen lässt. Heinrich Tudor selbst war der Sohn von Edmund Tudor, dem Earl of Richmond und von Margaret Beauford. Und über die Linie seiner Mutter meldete er eben Herrschaftsansprüche auf den englischen Thron an. Ende des 15. Jahrhunderts, in dem wir uns befinden, war Heinrich Tudor das Oberhaupt des Hauses Lancaster, das während der Rosenkriege mit dem Haus York um den englischen Thron stritt. Beide Häuser, das Haus York und das Haus Lancaster, gehörten zu den Plantagenets.

 

1485 schlug Heinrich Tudor in der finalen Schlacht der Rosenkriege, in der Schlacht von Bosworth, Richard III. aus dem Haus York. Richard III. fiel auf dem Schlachtfeld und an seiner statt bestieg nun Heinrich Tudor als Heinrich VII. den englischen Thron.

 

Mit einem weiteren cleveren Schachzug versuchte Heinrich VII., seine Position sicherzustellen: Er heiratete Elizabeth of York, die Schwester von Eduard V.

 

Fragst du dich jetzt, wer Eduard V. war? An dieser Stelle wird es nun etwas verworren. Aber vielleicht erinnerst du dich auch aus Schulzeiten noch an William Shakespeares „Richard III.“, der den berühmt berüchtigten König in diesem Stück verewigte? Richard III. gilt bis heute als der absolute Bösewicht unter den englischen Herrschern. Und das vor allem deshalb, weil man ihn bis heute für den Mord an Eduard V. und seinem Bruder verantwortlich macht. Eduard V. war nämlich der noch minderjährige Sohn von Eduard IV., der unter der Regentschaft seines Onkels, eben dem späteren Richard III., König geworden war. Eine Thronfolge, die aber in den Wirren der Rosenkriege für ungültig erklärt wurde. Eduard V. und sein Bruder verschwanden darauf auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche - in den berühmt berüchtigten Tower of London.

 

Doch nach diesem kleinen Ausflug nun wieder zurück zu den Tudors. Mit Heinrich VII. ergriff also die Dynastie der Tudors die Zügel im Land. Mit seiner Thronbesteigung hatte England nun endlich die Zeit der Rosenkriege hinter sich gelassen und es sollten fortan friedvollere Zeiten anbrechen. Neben seiner Eheschließung bemühte sich Heinrich VII. erfolgreich, den Adel und das Parlament hinter sich zu stellen. Auch durch die Verheiratung seiner Kinder schuf er strategische Allianzen, mit denen er die Herrschaftsansprüche der Tudors zu festigen suchte. Er vermochte es auch, die durch die Rosenkriege arg gebeutelten Finanzen wieder zu verbessern. Vor allem aber sorgte er für den Ausbau der Handelsflotte und der Marine und legte damit den Grundstein für die spätere Vormachtstellung der Engländer als Seemacht. Seine Enkeltochter Elizabeth I. sollte später seinem Beispiel folgen und die englische Flotte berühmt machen. Doch lass uns nichts übereilen! Stattdessen lass uns erst einmal einen Blick auf den nächsten Tudorkönig in der Reihe werfen, ein König, der auch heute noch in aller Munde ist.

Die Geschichte der Tudors: Heinrich VIII.
Heinrich VIII.

Die Geschichte der Tudors: König Heinrich VIII. - Wie es zum Bruch zwischen England und dem Papst kam

Nach dem Tod von Heinrich VII. bestieg sein zweitältester Sohn als Heinrich VIII. den englischen Thron. Eigentlich war als Thronfolger sein älterer Bruder Arthur vorgesehen gewesen. Doch Arthur erkrankte im Alter von 16 Jahren und verstarb.

 

Heinrich VIII. ist der wohl bekannteste und ganz sicher einer der charismatischsten Könige der englischen Geschichte. Sein Bild ist bis heute weltweit bekannt und aus irgendeinem Geschichtsbuch ist wohl so ziemlich jeder mit seinem Aussehen vertraut. Zu Beginn seiner Herrschaft sahen die Dinge noch gut für ihn aus: Der junge König war sportlich, liebte das Jagen, er war clever und belesen. In Anbetracht der späteren Ereignisse mag man es kaum glauben, dass er in jungen Jahren sogar eine Streitschrift für den katholischen Glauben und gegen die Schriften Martin Luthers verfasste, so dass ihm vom Papst der Titel „Verteidiger des Glaubens“ verliehen wurde. Doch dann kamen die Dinge ganz anders.

 

Heinrich VIII. ist heute vor allem dafür bekannt, dass er einen eher hohen Verschleiß an Ehefrauen hatte. Er führte sechs Frauen zum Altar, ließ zwei von ihnen köpfen und die Ehe mit seiner ersten Ehefrau Katharina von Aragón annullieren. Denn: Heinrich VIII. brauchte einen männlichen Thronfolger, um das Überleben seiner Linie zu sichern und Katharina hatte ihm bis zum Zeitpunkt der Annullierung seiner Ehe noch keinen Sohn geschenkt - wie man so schön sagt. Aus der Ehe mit ihr ging die spätere Königin Maria I., hervor. Aus Heinrichs zweiter Ehe mit Anne Boleyn stammte die spätere Königin Elizabeth I. und aus Heinrichs dritter Ehe mit Jane Seymour der so heiß ersehnte Thronfolger, der als Eduard VI. im zarten Alter von zehn Jahren seinem Vater Heinrich VIII. auf den Thron folgen sollte.

 

Doch zurück zu Heinrichs Eheplänen. Das Vorhaben von Heinrich VIII. statt seiner bisherigen Gattin nun Anne Boleyn als rechtmäßig angetraute Ehefrau an seiner Seite zu haben, führten schließlich zu einem Umschwenken der Staatsreligion im ganzen Land. Eine Eheschließung also, die Einfluss auf alle seine Untertanen haben sollte. Denn als Heinrich VIII. an den Papst im fernen Rom mit der Bitte herantrat, einer Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragón zuzustimmen, stieß er auf taube Ohren, da eine Scheidung im Katholizismus völlig außer Frage stand.

 

Und so ernannte sich Heinrich VIII. kurzer Hand zum Oberhaupt der von ihm begründeten anglikanischen Kirche, einer Kirche des sich damals in ganz Europa ausbreitenden und mit dem Katholizismus konkurrierenden protestantischen Glaubens, der eben auch eine Scheidung bzw. Annullierung der ersten Ehe Heinrichs ermöglichte.  

Bei den England Notes kannst du übrigens auch noch mehr über Heinrich VIII. und seine sechs Ehefrauen lesen.

 

Lass uns an dieser Stelle aber noch ein wenig bei Heinrich VIII. und den weiteren Ereignissen seiner Zeit verweilen. Seine Kriegszüge gegen Frankreich und sein verschwenderischer Lebensstil hatten über die Jahre die Staatskasse, die sein Vater zu füllen vermocht hatte, geleert. So hatte sein Bruch mit Rom für ihn einen weiteren äußerst angenehmen Nebeneffekt: Das Vermögen und die Ländereien der Klöster, die unter seiner Ägide aufgelöst wurden, gingen an die Krone, also in seine eigenen Taschen! Die Schließung der Klöster und katholischen Kirchen bedeutete auch, dass landesweit enorme Kunstschätze verloren gingen, Pilgerstätten und Heiligenschreine zerstört wurden. Es war das Anfang vom Ende des landesweiten Katholizismus.

 

Gleichzeitig verstärkte sich über die Jahre Heinrichs Misstrauen gegenüber Andersdenkenden mehr und mehr. Seine Wegbegleiter selbst waren vor dem Kerker und dem Henker nicht sicher. Überall im Lande wurden Andersdenkende, alle die sich Heinrichs Reformplänen der Kirche entgegenstellten, jeder der ihm als neuem Oberhaupt der Kirche den Eid verweigerte, verfolgt und hingerichtet. Kein Wunder also, dass der König bei einer solchen Bilanz auch heute noch als maßloser Despot angesehen wird!

 

Und trotz allem: Mit den Veränderungen unter seiner Herrschaft schuf er Voraussetzungen, quasi die Saat auf dem Boden, die später in den Herrschaftsjahren seiner Tochter Elizabeth I. aufgehen sollte und das Land für immer verändern würde. Ohne Heinrich VIII. wären diese Entwicklungen so nie möglich gewesen.

Die Geschichte der Tudors: Eduard VI.

Die Geschichte der Tudors: König Eduard VI. - Mit zehn Jahren auf dem englischen Thron

Eduard VI. trat also im zarten Alter von zehn Jahren in die Fußstapfen seines Vaters und wurde im Januar 1547 zum König gekrönt. Heinrich VIII. hatte fürsorglich seinen Sohn in seinem Testament ausdrücklich zu seinem Nachfolger bestimmt und seine beiden älteren Töchter damit in der Reihenfolge der Thronanwärter übergangen. Denn beide hätten aufgrund einer neuen Regelung im Lande in der Tat inzwischen Anspruch auf den Thron gehabt.

 

Eduard VI. war, wie bereits erwähnt, der  lang ersehnte Sohn von Heinrich VIII. und ging aus der Ehe Heinrichs VIII. mit dessen dritter Ehefrau Jane Seymour hervor. Eduards Mutter verstarb jedoch bereits wenige Tage nach seiner Geburt im Kindbettfieber.

 

Da zum Zeitpunkt von Heinrichs Ableben sein Sohn aber schließlich noch ein Kind war, hatte Heinrich VIII. kurz vor seinem Tode fürsorglich einen zehnköpfigen Thronrat ernannt, der bis zum Zeitpunkt der Volljährigkeit Eduards die Regierungsgeschäfte im Lande hätte übernehmen und ihm zur Seite stehen sollen. Sollen – denn die Volljährigkeit erreichte Eduard VI. nie.

 

Doch zunächst erst einmal zum Thronrat. Zu diesem gehörte der Onkel von Eduard VI. und Bruder seiner verstorbenen Mutter Jane Seymour, Edward Seymour. Eduard VI. ernannte seinen Onkel zunächst  zum Duke of Somerset und erhob ihn in das Amt des Lordprotektors. Er hatte in den nächsten zwei Jahren quasi das Sagen im Land, fiel jedoch letztendlich in Ungnade und wurde 1549 sogar hingerichtet.  Nach dem Tod des  Duke of Somerset nahm dessen Platz John Dudley, 1. Duke of Northumberland, ein.

 

In der nur wenige Jahre währenden Herrschaftszeit von Eduard VI. erfolgten viele Reformen der von Heinrich VIII. begründeten anglikanischen Kirche. Sie wurden vor allem durch den Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, bestimmt. So wurden fortan die Gottesdienste nicht mehr in lateinischer Sprache, sondern auf Englisch gehalten. Das allgemeine Gebetsbuch, das Common Book of Prayer, das bis heute in abgewandelter Form noch verwendet wird, wurde in jenen Jahren eingeführt. Außerdem wurde das Zölibat für Priester abgeschafft und die Heilige Messe wurde verboten.

 

Eduard VI. verstarb schließlich bereits fünfzehnjährig an Tuberkulose. Sein Tod wurde zunächst geheim gehalten, damit man die Krönung seiner Nachfolgerin vorbereiten konnte. Dies führte jedoch zu Gerüchten, nach denen Eduard VI. seine Krankheit doch überlebt haben sollte: Ein Hoffnungsschimmer unter Maria I. Denn als in den Jahren unter ihrer Herrschaft Protestanten und Andersdenkende im Land grausam verfolgt wurden, tauchten landesweit immer wieder Personen auf, die für sich in Anspruch nahmen, König Eduard VI. zu sein. 

Die Geschichte der Tudors: Jane Grey

Die Geschichte der Tudors: Jane Grey - Die schwierige Frage der Thronfolge in England

Jane Grey war die Cousine von Eduard VI. Nachdem dieser nun also 1553 plötzlich todkrank wurde, versuchten er und seine Berater zu verhindern, dass England nach seinem Tod wieder zum Katholizismus zurückkehren würde.

 

In der Reihenfolge der Thronanwärter nach Eduards Tod wäre eigentlich zunächst seine Halbschwester Maria seine Nachfolgerin geworden – so wie es später auch geschah. Sie hätte noch vor Eduards zweiter Halbschwester Elizabeth einen Anspruch auf den Thron gehabt. Mit Elizabeth, die selbst protestantischen Glaubens war, wäre England protestantisch geblieben – auch dies geschah schließlich noch ein wenig später und das wäre auch im Sinne von Eduard VI. gewesen. Da aber Maria in der Rangfolge vor Elizabeth stand und mit ihr der Katholizismus zurückgekehrt wäre, schlossen Eduard VI. und seine Berater die beiden Halbschwestern kurzer Hand von der Thronfolge aus. Stattdessen bestimmten sie also Jane Grey zur Thronfolgerin. Jane Grey wurde am 10. Juli 1553 zur Königin ernannt und bereits am 19. Juli, nach nur neun Tagen, von den Anhängern Marias wieder gestürzt – ein Rekord in Sachen kürzester Herrschaftszeit!

Die Geschichte der Tudors: Maria I.

Die Geschichte der Tudors: Königin Maria I. - Kehrtwende zurück?

Maria I. war also, wie bereits erwähnt, die Tochter aus der ersten Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragón. Sie wurde 1553 zur Königin gekrönt. Vorrangiges Ziel während ihrer Herrschaftsjahre war es, die Reformation in England rückgängig zu machen.  Schon als Kind, nach der Annullierung der Ehe von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragón, hielt sie nicht nur treu zu ihrer Mutter, sondern auch zum katholischen Glauben und schwor, der katholischen Kirche immer und ewig treu zu bleiben.

 

Mit ihren Plänen wollte sie das reformatorische Werk ihres Vaters aber auch das ihres Halbbruders Eduard VI. und des Thronrats zunichtemachen. So wurden unter der Herrschaft Maria I. zunächst erst einmal die erfolgten Reformen der Kirche rückgängig gemacht – vorübergehend wie sich bald zeigen sollte.

 

Doch darüber hinaus verfolgte sie Andersdenkende und vor allem Protestanten gnadenlos und ging deshalb in ihrer nur fünf Jahre währenden Herrschaft als „Maria die Blutige“, als „Bloody Mary“, in die englische Geschichtsschreibung ein. Die Protestanten an sich waren in England zu Zeiten Heinrichs VIII. und bei Machtantritt von Maria I. noch in der Minderheit. Und doch wurden in den fünf Jahren unter Maria I. wohl 300 Protestanten aufgrund ihres Glaubens dem grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen übergeben. Sogar der Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer, der die Reformen der anglikanischen Kirche in die Wege geleitet hatte, war unter den Opfern.

 

Maria I. heiratete den Sohn des spanischen Königs Karl V., den späteren König Philipp II. von Spanien, der natürlich aus einer katholischen Familie stammte. Der spanische Kronprinz, denn noch war er in Spanien nicht der König, konnte jedoch, so die englischen Bestimmungen, keine Regierungsgeschäfte in England übernehmen. Dies blieb lediglich Maria vorbehalten.

 

Wie dem auch sei, Maria I. verstarb schließlich bereits im Alter von nur 46 Jahren. Trotz aller Differenzen mit ihrer Halbschwester, bestimmte sie kurz vor ihrem Ableben im Jahr 1558 Elizabeth zu ihrer Nachfolgerin und sicherte damit vorerst den Fortbestand der Dynastie der Tudors.

Die Geschichte der Tudors: Königin Elizabeth I.
Elizabeth I.

Die Geschichte der Tudors: Königin Elizabeth I. - Das Goldene Zeitalter

So folgte also Elizabeth I. ihrer Halbschwester im Jahr 1558 auf den englischen Thron. Dieser wackelte erst einmal gehörig unter ihr. Denn auch wenn ihre Schwester sie explizit als ihre Nachfolgerin bestimmt hatte: Diejenigen im Land – und wohl gemerkt auch außerhalb der englischen Landesgrenzen – die katholischen Glaubens waren, sahen die Eheschließung ihres Vaters mit ihrer Mutter Anne Boleyn als ungültig an und sahen sie deshalb nicht als rechtmäßige Nachfolgerin. 

 

Die katholischen Königshäuser Europas, allen voran das spanische, meinten das abtrünnige protestantische England wieder zurück zum katholischen Glauben führen zu müssen. Dazu kam, dass die englischen Freibeuter, die man getrost auch als Seeräuber bezeichnen kann und solch schillernde Persönlichkeiten wie Francis Drake hervorbrachten, in schöner Regelmäßigkeit die bis an den Rand beladenen, aus den spanischen Kolonien heimkehrenden Schiffe der spanischen Krone angriffen und ausraubten. Ein einträgliches Geschäft auch für Elizabeths Schatzkammer. Schließlich entschloss sich Philipp II. sogar, seine riesige spanische Armada gen England zu schicken, um England zu erobern. Doch er und seine Landsleute wurden eines besseren belehrt und ein für alle Mal von Englands Grenzen verwiesen.

 

Spricht man von der Regierungszeit von Königin Elizabeth I., so spricht man auch heute noch vom „Goldenen Zeitalter“. Denn: während sie das Zepter in England in der Hand hielt, kam es zu einem regelrechten wirtschaftlichen Aufschwung im Land. Da wäre zunächst und vor allem einmal der weitere zielstrebige Ausbau der englischen Flotte, der wohl einer der größten Erfolge unter Elizabeth I. war. Den Grundstein dazu hatte wie schon erwähnt bereits ihr Großvater Heinrich VII. gelegt. Dies ebnete den Weg für die englische Vormachtstellung zur See und damit auch für das künftige weltumspannende englische Kolonialreich. Darüber hinaus wurden bereits unter Elizabeth I. auch die ersten Handelsgesellschaften für den Überseehandel gegründet. So erhielt beispielsweise der Vorgänger der späteren British East India Company, zunächst als English East India Company im Jahr 1600 von Elizabeth I. einen Freibrief. Außerdem wurde damit begonnen, den alles andere als rühmlichen Sklavenhandel zwischen Afrika und Westindien zu organisieren – ebenfalls ein einträchtiges Geschäft für die englische Krone.

 

Aber auch auf englischem Boden begann das Land zu florieren. Steuern wurden gesenkt, die Preise für die Bevölkerung ebenso – Veränderungen, die sich positiv auf die Wirtschaft im Lande auswirkten und den Handel ankurbelten. Wie gesagt also ein regelrechter Boom im Lande! Und wie das auch heute noch so ist, so wirkte sich auch damals der wirtschaftliche Aufschwung positiv auf die Kultur im Lande aus, die von Elizabeth I. tatkräftig gefördert wurde. Wohlgemerkt lebte zu ihrer Zeit der größte Dichter der englischsprachigen Literatur, William Shakespeare, der in London das Theater gründete, das heute als Shakespeare Globe Theatre weiterlebt. Ihm ist es zu verdanken, dass jährlich wahre Ströme an Touristen zu seinen Wirkungsstätten und seinem Geburtsort in Stratford-upon-Avon pilgern.

 

Im Jahre 1603 aber starb Elizabeth I. schließlich und hinterließ eben keinen Thronfolger. So gelangte der Großneffe von Elizabeth I. und Sohn der schottischen Königin Maria Stuart als Jakob I. auf den englischen Thron. Ironie der Geschichte ist, dass Maria Stuart als Katholikin in verschiedenen Komplotten gegen Elizabeth I. versucht hatte, diese zu stürzen. Dabei wurde sie gar vom spanischen König Philip II. unterstützt. Jahrelang wurde Maria Stuart deshalb von Elizabeth I. unter Hausarrest gesetzt und schließlich doch dem Henker übergeben.

 

Somit kam es zum Ende der Herrschaft von Elizabeth I. zu zwei drastischen Veränderungen: Zum einen kam es zu einem Wechsel der Dynastie auf dem englischen Thron. Die Dynastie der Tudors endete und diejenige der Stuarts folgte. Außerdem war Jakob I. der erste Herrscher, der sowohl König von England als auch König von Schottland war, denn seine schottische Königskrone behielt er zusätzlich zur englischen Krone.

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