Heinrich VIII. und die Frauen

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Wohl kein anderer König Großbritanniens ist über die Landesgrenzen dermaßen bekannt wie Heinrich VIII. Bekannt ist er vor allem durch seine sechs Ehefrauen, von denen er sich nicht zimperlich wieder trennte, sei es durch Scheidung oder gar das Abschieben in die Hände der Henker von Londons berüchtigtem Tower. Der Wunsch, durch einen männlichen Thronfolger den Fortbestand des Hauses Tudor zu sichern, hatte Auswirkungen auf die Geschichte, insbesondere die Religion des ganzen Landes. Zu Zeiten Heinrichs VIII. war man auf den britischen Inseln katholischen Glaubens. Doch in Europa hatte die Reformation die christliche Glaubenswelt ins Schwanken gebracht, der protestantische Glaube breitete sich in Europa aus und es folgten Konflikte und Kriege. Doch die protestantische Konfession hatte einen für Heinrich entscheidenden Vorteil: Sie erlaubte es, sich scheiden zu lassen. Genau das wollte Heinrich, nachdem aus der zwanzig Jahre dauernden Ehe mit Katharina von Aragon zwar eine Tochter, aber eben kein Sohn hervorgegangen war. Nach englischem Gesetz konnte nur ein Sohn die Nachfolge des Herrschers antreten. Der Papst in Rom wollte jedoch seine Zustimmung zu einer Scheidung Heinrichs von Katharina nicht geben. Dabei hatte Heinrich bereits eine Nachfolgerin gefunden: Die protestantische Anne Boleyn, die in Hever Castle aufgewachsen war und es sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht Mätresse, sondern Königin zu werden.

Hever Castle in Kent, Großbritannien
Hever Castle in Kent: Hier verbrachte Anne Boleyn ihre Kindheit

 

Und so sagte sich Heinrich von Rom los, gründete 1531 die anglikanische Staatskirche, und erklärte sich selbst zu deren Oberhaupt, die fortan protestantischen Glaubens sein sollte. Es war ein Streich erster Güte, gut vorbereitet von Heinrichs Beratern, die im Land die Nachricht verbreiten ließen, dass der König schon immer Oberhaupt der Kirche gewesen sei, und dies nur in Vergessenheit geraten wäre. So konnte sich Heinrich scheiden lassen und Anne Boleyn ehelichen.

 

Gleichzeit hatte die ganze Sache jedoch noch einen weiteren für Heinrich hervorragenden Nebeneffekt: Da er selbst nun Oberhaupt der Kirche war, gehörte ihm auch der Kirchenbesitz im Land. Mit straffer Hand machte er sich landesweit an die Säkularisierung der Klöster und veräußerte Kirchenbesitz. Dadurch füllte er automatisch seine notorisch leeren Staatskassen. Doch auch dies hatte Folgen. Einerseits bedeutete es für die Klöster vielerorts das Ende und heute sind von vielen Klöstern nur noch Ruinen übrig geblieben. Andererseits bedeutete es aber auch eine Zunahme an Bedeutung und damit natürlich auch Macht des Adels und des Bürgertums, das in die Fußstapfen der ehemaligen Eigentümer trat und den ehemaligen Kirchenbesitz nun erwerben konnte.

 

Für die Bevölkerung war der Wechsel der Religion auch nicht überall willkommen, schließlich war die Mehrheit unter ihnen bis zu diesem Zeitpunkt streng katholisch und man befürchtete durch den Übertritt zum protestantischen Glauben schlimmes für das eigene Seelenheil. Doch Heinrichs despotisches Wesen duldete keinen Widerstand. Anderer Meinung zu sein, bedeutete Landesverrat und wurde von ihm mit aller Härte bestraft, Aufstände schlug er brutal nieder. Ein Tyrann wie er im Buche steht!

 

Ein Tyrann auch, weil er überall und an jeder Ecke Verrat witterte. Selbst seine langjährigen Berater waren nicht sicher vor ihm und so landeten Thomas Wolsey, und Thomas Morus im Tower und wurden wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Auch Thomas Howard, der 3. Earl of Norfolk, Onkel von Heinrichs zweiter Ehefrau Anne Boleyn und und fünfter Ehefrau Catherine Howard, entging, bereits im Tower sitzend, nur durch Heinrichs Tod dem Henker. Einer der Gründe für dieses Misstrauen Heinrichs war einfach die Tatsache, dass das Überleben des Hauses Tudor auf wackeligen Füßen stand. Der erste Tudor auf dem Thron war Heinrich VII., der Sohn des 1. Earl of Richmond und Margaret Beauforts, die als Nachfahrin von Edward III. ihrem Sohn ein Anrecht auf den Thron vermachte. Das Parlament bot Heinrich VII. ganz dem Brauch jener Zeit entsprechend schließlich auch nach der siegreichen Schlacht von Bosworth im Jahre 1485, mit der die langwierigen Rosenkriege endgültig beendet wurden, den Thron an. Ein Angebot, dass Heinrich nicht ausschlagen konnte.

 

Das Zerwürfnis mit Rom und die Eheschließung mit Anne Boleyn brachte Heinrich VIII.  selbst jedenfalls nicht den gewünschten Thronfolger. Aus dieser Ehe ging Tochter Elisabeth, die spätere Elisabeth I. hervor. Erst die dritte Ehe mit Jane Seymour bescherte ihm Sohn Eduard. Den ersten drei Ehen folgten schließlich noch die Ehe mit Anna von Kleve, Catherine Howard und Katherine Parr. Seine sechste Ehefrau drängte ihn schließlich auch zur Verabschiedung eines Gesetzes, wonach die Thronfolge im Land auch an eine Tochter übergehen könne. Dies sicherte den Tudors letztendlich die Nachfolge, denn nach dem Tode Heinrichs VIII. folgten ihm zwar für kurze Zeit sein neunjähriger Sohn als Eduard VI., als dieser sechs Jahre später stirbt jedoch zunächst Maria I., später auch Bloody Mary genannt und Tochter aus seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon. und danach Elisabeth I. aus der Ehe mit Anne Boleyn auf den Thron. 

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