Wilhelm der Eroberer und das Jahr 1066

Wir schreiben das Jahr 1066. Das Jahr, in dem die englische Geschichtsschreibung ein neues Kapitel aufschlagen soll, denn es läutet das Ende der Herrschaft der Angelsachsen über England ein. Welche Ereignisse waren diesem geschichtsträchtigen Datum vorausgegangen?

 

Zunächst einmal geht die Krone des englischen Königs Eduard dem Bekenner, der 1066 kinderlos stirbt und selbst mehrere Jahre in der Normandie gelebt hatte, an Harald Godwinson über, den er selbst kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger bestimmt, der vom englischen Kronrat gewählt wird und als Harald II. den Thron erklimmt. Eduard hatte während seiner Herrschaft immer wieder gegen Wales und Schottland kämpfen müssen, die seine Herrschaft streitig machten und konnte sich deshalb nicht fest im Sattel fühlen. Diese Schwäche in seinem Herrschaftsanspruch übernahm auch Harald II.

 

Haralds Krone sitzt also nicht sicher auf seinem Haupt, vor allem als sie ihm von einem streitig gemacht wird, der sich selbst berechtigt sieht, Ansprüche auf den englischen Thron machen zu dürfen: Wilhelm aus der Normandie, dem späteren Wilhelm der Eroberer. Eigentlich war Wilhelm ein normannischer Herzog, der illegitime Sohn des normannischen Herzogs Robert I., von dem er den Herzogstitel übernahm. Er wurde in der französischen Normandie groß, in einer Zeit brutaler Machtkämpfe. Er selbst festigte seine Macht durch Niederschlagung verschiedenster Aufstände und nach erfolgreichen Kämpfen gegen andere Adelshäuser, die in ihm einen Bastard ohne Herrschaftsanspruch sahen. Dabei wusste er seine Verbindungen zur Krone und anderen Adelshäusern aber auch der Kirche strategisch zu seinem Vorteil zu nutzen.

 

Die Machtkämpfe im englischen Königshaus verfolgt Wilhelm nun äußerst aufmerksam von der anderen Seite des Kanals aus. Er hat seine Informanten vor Ort und er beschließt, die Lage nach dem Tod von Eduard dem Bekenner zu nutzen und seine Ansprüche auf den englischen Thron zu erheben. Bereits zu Lebzeiten Eduards hatte er seine Kontakte zur britischen Insel ausgebaut, ernannte mögliche Nachfolger Eduards zu seinen Lehnsmännern und machte sie damit zu seinen Verbündeten. Durch seine Großtante hat er familiäre  Verbindungen zum englischen Thron und außerdem erklärt er kurzerhand, dass Eduard ihn zu seinem Nachfolger bestimmt habe. Haralds Stuhl wackelt nun erheblich.

 

Mit seiner Armee zieht der Wilhelm schließlich 1066 über den Ärmelkanal hinüber nach England. Er landet bei Pevensey, östlich des heutigen Eastbourne und schlägt sich dann nach Hastings durch. Dort stößt er ganz in der Nähe des heutigen Ortes Battle auf die Armee der Angelsachsen, die ihr Land tapfer verteidigen wollen. Doch ein Trick Wilhelms macht für sie alles zunichte: Seine Armee täuscht die Flucht vor und Harald und seine Männer fallen darauf herein. Harald fällt in der Schlacht und für Wilhelm ist damit der Weg zum englischen Thron frei. Er hat sein Ziel erreicht und England erobert. So erhält er den Beinamen „Der Eroberer“ und die Zahl 1066 ist für immer und ewig mit diesem Ereignis verbunden.

Blick auf den Platz vor Battley Abbey in Battle, bei Hastings, Sussex, England
In der Nähe des beschaulichen Ortes Battle bei Hastings war einst Schauplatz der Schlacht von Hastings.

Wilhelm brachte nicht nur den Wechsel von angelsächsischer zu normannischer Führung, sondern so manche weitere Veränderung mit. Durch den Sieg über England war er selbst zum Besitzer des von ihm eroberten Grund und Bodens geworden. Dies stärkte seine Position als oberstem Lehnsherr gegenüber dem Adel. Das Lehnssystem war ein System, das er aus Frankreich kannte und nun auf den britischen Inseln noch radikaler umsetzte. Denn: Sein Feldzug hatte ihn einiges an Geld gekostet und seine Ausgaben musste er sich nun wieder holen. Um sich eine Übersicht über seine neuen Besitztümer und Finanzen zu verschaffen, ließ er 1086 das sogenannte Domesday Book erstellen. Dieses war ein in dieser Form bis dato noch nirgendwo in Europa dagewesenes Buch mit einer Übersicht der Liegenschaften des Königs in den meisten Teilen des Landes, eine Art Kataster. Das Buch bildete die Grundlage für die von seinen Leuten erhobenen Steuern.

 

Mit Wilhelm dem Eroberer wurde England zu einem nun zentral regierten Königreich. Gleichzeitig ist dies auch der Beginn der engen Verwicklung zwischen England und Frankreich, denn England wurde nun normannisches Reich. Dies beeinflusste nicht nur die Kultur in England, sondern im Umkehrschluss auch jene in Frankreich. Beide Seiten sollten in den Jahren nach 1066 wiederholt Ansprüche auf den jeweils anderen Thron erheben. Zwischen den Jahren 1337 bis 1453 brach zwischen französischer und englischer Seite schließlich ein Krieg aus, der als Hundertjähriger Krieg in die Geschichte einging und mit dem Sieg auf französischer Seite endete. England verlor bis auf Calais, das noch bis 1558 unter englischer Herrschaft stand, alle seine Besitzungen auf dem europäischen Kontinent, sprich Frankreich beide Seiten gingen ab diesem Zeitpunkt endgültig getrennte Wege. 

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