LONDONS ROTE DOPPELSTOCKBUSSE: DIE ROUTEMASTER

2005 läutete das Ende der alten roten Doppelstockbusse, die seit Ende der fünfziger Jahre auf Londons Straßen unterwegs gewesen waren. „Routemaster“ war der offizielle Name dieser so geschichtsträchtigen Busse. Seitdem wurden sie nach und nach durch neue moderne Niederflurwagen ersetzt. Damit entspricht die Stadt nicht nur EU-Vorgaben, sondern macht generell den Passagieren das Leben einfacher. Mit Kinderwagen und Gepäck ist nun eine Busfahrt kein Problem mehr und wer im Rollstuhl sitzt, kann die Londoner Busse genauso benutzen, wie jeder andere auch. 

Blick auf eine Reihe der Londoner Busse auf einer der Brücken über der Themse in London, England

Doch auf die alten Routemaster zu verzichten war lange undenkbar und sorgte für zahlreiche Proteste. Denn sie gehörten zum Londoner Stadtbild, waren quasi ein Wahrzeichen Londons, so wie die schwarzen Taxis, die black cabs. Der erste Routemaster eroberte 1959 die Straßen von London. Nach dem Krieg setzte man in London erstmals Doppelstockbusse ein, welche die bis dahin alten Oberleitungsbusse ersetzen sollten. Die Version von 1959 wurde dann als Routemaster bekannt. Über die Jahrzehnte hinweg, hat er einige kleine Änderungen erfahren, so wurden die Fenster, die mit einer Kurbel zu öffnen waren durch Klappfensterersetzt, der Bus wurde zuletzt beheizt und vieles mehr. Aber die grundlegenden Merkmale des Busses blieben die gleichen.

 

So saß der Fahrer im Routemaster vorn in einer separaten Kabine und war damit von den Fahrgästen getrennt. Im Land des Linksverkehrs saß er in seiner Kabine natürlich auf der rechten Seite und der Motor war ebenfalls vorn, gleich links eingebaut. Die Fahrgäste signalisierten dem ihren Haltewunsch durch das Ziehen einer Schnur, die sich über den Fenstern unter der Decke entlang zog.  Fuhr der Bus wieder an, so zog der Schaffner zweimal an der Schnur und der Fahrer wusste dadurch, dass es wieder losgehen sollte. Hinten hatten die Busse eine Trittbrettplattform, über die man als Fahrgast ein- und aussteigen konnte. Wollte man zwischen den Haltestellen einmal kurz ein- oder aussteigen, so konnte man das auch einfach tun, auch wenn es aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht erwünscht war. Aber der Londoner Stop and Go-Verkehr machte dies möglich und auch notwendig. Schließlich konnte man die letzten Meter bis zur Haltestelle oft einfach zu Fuß schneller zurücklegen, als ewig im Bus zu warten, bis sich der dichte Verkehr wieder in Bewegung setzte.

 

Um die Fahrgäste kümmerte sich ein Schaffner. Er oder sie kontrollierte die Fahrausweise und verkaufte Fahrkarten. Zu dem Zweck hatte jeder Schaffner eine Tasche mit Münzen und verschiedenen Fächern für die Münzen um. Allerdings war es eben keine einfache Sache ins Obergeschoss zu gelangen, wenn der Bus einmal anruckte und losfuhr, besonders wenn man Taschen dabei hatte. Trotz der Heizungen im Bus, die der Routemaster in den Anfangsjahren noch gar nicht hatte, zog es im Bus bei Wind und Wetter doch mächtig, einfach dadurch, dass der Bus durch die Trittbrettplattform  im Untergeschoss offen war.

Heute verkehren die Routemaster nur noch auf zwei Strecken, den sogenannten „Heritage Routes“: Die Linie 15 zwischen Trafalgar Square und Tower Hill und die Linie 9 zwischen Royal Albert Hall und Aldwych und das täglich zwischen 9:30 und 18:30 Uhr. Diesen Kompromiss ging die Stadt aufgrund der vielen Proteste von Anhängern der Routemaster ein. Denn nachdem das Ende der alten roten Londoner Busse beschlossen worden war, hagelte es nicht nur Beschwerden, sondern ganze Fanclubs wurden gegründet. Und so können sowohl Nostalgiker als auch Touristen auf diesen beiden Routen weiterhin mit den alten Routemastern fahren.

 

Wer mit einem Londoner Bus fahren möchte, der sollte wissen, dass man heutzutage im Bus keine Fahrkarten mehr kaufen kann. Andernorts im Land ist das natürlich möglich: Man zahlt dem Fahrer beim Einsteigen den Preis für die Fahrkarte. In London muss man das Ticket vorher kaufen. Das ist möglich, in dem man die Automaten nutzt, die sich an größeren Haltestellen befinden oder in den Zeitungsläden, die durch ein Schild darauf hinweisen, dass sie Fahrkarten für die Busse verkaufen. Eine Fahrkarte kostet GBP 1,50 und ist eine Stunde lang gültig und man kann einmal umsteigen. Die sechs Zonen des Londoner U-Bahn-Netzes, die man sonst so kennt, gelten in den Bussen nicht. Alternativ kann man auch seine Oystercard benutzen, sofern man sich eine zugelegt hat.  

 

Weitere Informationen zu den Fahrpreisen und zu Fahrplänen findet man auf der Webseite von TfL – Transport for London, der offiziellen Webseite des Betreibers des ÖPNV in London unter https://tfl.gov.uk.

 

Wer sich während eines Urlaubs in London einen Routemaster genauer ansehen möchte, der kann auch das Londoner Transport Museum besuchen: https://www.ltmuseum.co.uk/.

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