DIE ROMANE DER BRONTË-SCHWESTERN: CHARLOTTE BRONTË, EMILY BRONTË UND ANNE BRONTË

Sie gehören zu den ganz großen Autoren der englischen Literaturgeschichte: die Brontë-Schwestern. Ihre Romane wie „Sturmhöhe“, „Jane Eyre" oder „Die Herrin von Wildfell Hall“ sind weltberühmt und finden sich bis heute in den Listen der beliebtesten Klassiker der englischen Literaturgeschichte.

 

Wer sich auf eine Reise ins Leben der berühmten Schwestern begeben möchte, der findet sich in Englands hohem Norden, in der heutigen Grafschaft Yorkshire wieder. Dort wuchsen Anne, Charlotte und Emily Brontë gemeinsam mit ihrem Bruder Branwell auf. 

Die Romane der Brontë-Schwestern: Charlotte Brontë, Emily Brontë und Anne Brontë

Sie stammten aus ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater war Pfarrer. Die Mutter sowie zwei ältere Geschwister waren bereits früh verstorben. Die vier wurden von ihrem Vater und ihrer Tante zu Hause unterrichtet. Und dort, zu Hause, im eigenen Heim, fanden sie auch den für ihre Zukunft so wichtigen literarischen Nährboden, nämlich im elterlichen Bücherschrank und in den literarischen Magazinen „Blackwood’s Magazine“, die ein Nachbar der Familie Brontë überließ.

  

Die dunklen Winternächte, der oft unbändige stürmische Wind, die langen Winter im hohen Norden gaben der Fantasie der Geschwister Vorschub. Sie lasen nicht nur viel, sondern erzählten selbst Geschichten und schufen schließlich mit eigenen Geschichten fiktive Reiche, die sie Angria, Gondal, Glass Town nannten. Allabendlich versammelten sie sich vor dem großen Tisch im Wohnzimmer und tauchten in ihre Fantasiewelt ein. Die Geschichten schrieben sie auf jedem noch so kleinen Stück Papier, dessen sie habhaft werden konnten, nieder. Denn: Papier war ein kostbares Gut, das es im ärmlichen Hause Brontë nicht ausreichend gab.

 

Aus dieser Zeit stammen auch die Namen, männliche Synonyme, die sie sich selbst als Autoren ihrer Erzählungen gaben und unter denen sie später ihre Romane veröffentlichten. Denn Frauen als Autorinnen, das war zu jener Zeit noch immer undenkbar. So stand der Name Currer Bell für Charlotte, Ellis Bell für Emily und Acton Bell für Anne Brontë. Lediglich der Bruder Branwell veröffentlichte unter seinem eigenen Namen.

 

Die Tante förderte auch die Erziehung der Kinder. Ihr ist es zu verdanken, dass sowohl Charlotte als auch Emily Brontë für einige Jahre nach Brüssel gehen konnten und dort Französisch lernten. Sie wollten später in England ein eigenes Institut gründen; ein Plan der jedoch zugunsten der Schriftstellerei, der sich die Schwestern bald voll und ganz widmeten, fallen gelassen wurde.

 

Aber auch die vier Geschwister verstarben sehr früh. Branwell und Emily im Jahr 1848, nur ein Jahr später von ihrer Schwester Anne und 1855 von der ältesten Schwester Charlotte gefolgt. Vermutlich lag der schlechte Gesundheitszustand der Schwestern – der Bruder starb eher an den Folgen seines Alkohol- und Opiummissbrauchs - auch in den katastrophalen hygienischen Bedingungen in Haworth und dem damals noch verseuchten Trinkwasser begründet. 

Die Romane der Brontë-Schwestern: Charlotte Brontë, Emily Brontë und Anne Brontë, Klassiker der englischen Literatur

Die meisten Romane unter den Geschwistern veröffentlichte Charlotte Brontë. Sie überlebte ihre beiden berühmten Schwestern und ihren Bruder um einige Jahre. Über Nacht wurde sie durch ihren Roman „Jane Eyre“ erfolgreich. Im Zentrum ihrer Romane stehen starke Frauenfiguren und viele Themen, die im viktorianischen England tabu waren, wurden in ihnen thematisiert und eigene Erfahrungen aus ihrer Arbeit als Gouvernante verarbeitet. Nachdem ihr eigentlicher Name hinter dem Synonym, unter dem sie veröffentlicht hatte, bekannt wurde, erhielt sie sogar kurze Zeit Zugang zur Literaturszene Londons und erntete deren Anerkennung. Charlotte Brontë heiratete 1854 Arthur Bell Nichols den Hilfspfarrer ihres Vaters, verstarb jedoch bereits ein Jahr später.

 

Emily Brontës einziger veröffentlichter Roman war „Sturmhöhe“. Er stach unter den Romanen der Schwestern heraus, so düster, wild und unbändig schien er – überhaupt nicht den Konventionen des literarischen viktorianischen Englands entsprechend. Bis heute werden oftmals im Charakter der Figur Heathcliff Parallelen zum Charakter von Emily Brontë gezogen. Sie liebte die raue Landschaft Yorkshires, nicht nur ihre Heimat, sondern auch der Ort, an dem „Sturmhöhe“ spielt und streifte gerne durch die Natur. Nachdem sie ärztliche Betreuung ablehnte und „der Natur ihren Lauf lassen wollte“ wie sie es nannte, verstarb sie bereits im Alter von 28 Jahren, nur ein Jahr nach Veröffentlichung von „Sturmhöhe“, vermutlich an Tuberkulose.

 

Von Anne Brontë sind neben ihrer Poesie zwei Werke überliefert. Zum einen ist dies der Roman „Agnes“, der zusammen mit „Sturmhöhe“ ihrer Schwester Emily Bronte veröffentlicht wurde. Er thematisiert die Erlebnisse einer als Gouvernante arbeitenden jungen Frau. Ihr 1848 veröffentlichter Roman „Die Herrin von Wildfell Hall“ spricht eine Vielzahl von gesellschaftlichen Problemen der damaligen Zeit an, vor allem aber die Unterdrückung der Frau in der Ehe. Der Roman wird damit als erster feministischer Roman Englands angesehen. Wie auch ihre Schwester Emily und ihr Bruder Branwell, so hatte auch Anne Brontë ein kurzes Leben und starb im Alter von nur 29 Jahren wohl ebenfalls an Tuberkulose. Sie ist in Scarborough, ihrem letzten Aufenthaltsort begraben.

Die Romane der Brontë-Schwestern: Charlotte Brontë, Emily Brontë und Anne Brontë, beliebte Romane der englischen Literatur

Das Haus, in dem die Brontë-Schwestern aufwuchsen, ist das Pfarrhaus in Haworth, das sich in einem kleinen Ort in West Yorkshire befindet und heute ein Museum ist. Nach Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von William Shakespeare, ist das Pfarrhaus in Haworth der am zweitmeisten besuchte literarische Ort Englands.

Weitere Informationen findest du unter: https://www.bronte.org.uk/

Adresse:

Brontë Parsonage Museum, Church Street, Haworth, Keighley, West Yorkshire BD22 8DR.

 

Im Ort und um die Gegend kannst du dich übrigens auf geführte Rundgänge, Spaziergänge und Wanderungen begeben und so mehr über die Brontë-Geschwister und ihr Leben erfahren. Darüber hinaus ist die Gegend Yorkshires ein faszinierender Ort – an dem einem auch heute noch der Wind durch die Haare bläst, der aber mit seiner Weite und Abgeschiedenheit eine herrliche Erfahrung ist und jeden mit einem ganz neuen Gefühl für diese Gegend Englands nach Hause fahren lässt.

 

Möchtest du gern in die Welt der Brontë-Schwestern eintauchen und einige ihrer weltberühmten Romane lesen, so findest du hier eine kurze Vorstellung der wohl beliebtesten Romane der Brontë-Schwestern.

Zwei der Romane findest du übrigens auch in unserer Liste der besten Klassiker der englischen Literatur wieder.

Die Romane der Brontë-Schwestern: Jane Eyre von Charlotte Brontë

"JANE EYRE" VON CHARLOTTE BRONTË

Ihren berühmtesten Roman, der Charlotte Brontë die ersehnte Anerkennung brachte, veröffentlichte sie im Jahr 1847 unter dem Synonym Currer Bell. Mit diesem Roman, der bis heute zu den meist gelesenen der englischen Weltliteratur gehört, schuf sie eine der ergreifendsten Frauenfiguren der Literatur. Der Roman berührt viele verschiedene Themen aus dem Leben im England des 19. Jahrhunderts, ist gleichzeitig ein Bildungs- wie auch ein Liebesroman.

 

Wir verfolgen den Lebensweg von Jane Eyre, die als Waisenkind im Haushalt ihres Onkels nach dessen Tod keinerlei Zuneigung und Liebe erfährt. Ihre bedrückende und aussichtslose Lage ändert sich auch auf dem Internat, auf das sie schließlich geschickt wird, nicht, denn dort herrschen katastrophale Zustände, die sich doch nach dramatischen Ereignissen ändern. Jane bleibt nach ihrem Abschluss noch eine Zeit lang als Lehrerin im Internat, sucht sich dann jedoch eine Stellung als Gouvernante im Haushalt von Mr. Rochester.

 

In Mr. Rochester trifft sie eine in vielen Dingen gleichgesinnte und eine ebenso willensstarke Persönlichkeit wie sie selbst, dem sie auf Augenhöhe begegnen kann. Langsam wächst ihre Zuneigung zueinander. Doch er birgt ein schreckliches Geheimnis, das die Wege der beiden bestimmen wird…

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  • Originaltitel: Jane Eyre. An Autobiography
  • Taschenbuch: 656 Seiten
  • ISBN-10: 3423143541
  • ISBN-13: 978-3423143547
  • Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft (1. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch

Die Romane der Brontë-Schwestern: Der Professor von Charlotte Brontë

"DER PROFESSOR" VON CHARLOTTE BRONTË

In „Der Professor“ von Charlotte Brontë verfolgen wir den Lebensweg des William Crimsworth. Schon frühzeitig zur Waise geworden, wächst er bei Verwandten auf und wird nach Eton zur Schule geschickt, wo er eine hervorragende Ausbildung erhält.

 

Doch die Vorschläge seines Onkels, der einst Williams Mutter in der Not im Stich gelassen hatte, wie der Verlauf von Williams weiterem Lebens aussehen soll, passt so ganz und gar nicht zu dessen Naturell und Vorstellungen eines glücklichen Lebens. Da darüber hinaus sein Onkel einst Williams Mutter in der Not im Stich gelassen hat, beschließt William, seinen eigenen Weg zu gehen. So bricht er mit seinen Verwandten und geht zunächst zu seinem Bruder, der ihn in seiner Firma anstellt, sich aber als gnadenloser und herzloser Ausbeuter herausstellt.

 

So beschließt William, ein Leben fernab seines Bruders zu führen und landet schließlich in Brüssel, an der Schule des Monsieur Pelet, wo er als Englischlehrer anheuert. Sein Vertrag erlaubt ihm zusätzlich an anderen Einrichtungen sich als Lehrer, bzw. wie in Brüssel gesagt wird, als Professor zu unterrichten. Und so nimmt er das Angebot an der benachbarten Mädchenschule ebenfalls Englisch zu unterrichten, an. Zunächst fühlt er sich zur Direktorin, Mademoiselle Reuter, trotz des Altersunterschieds hingezogen und verfällt in Schwärmereien über eine mögliche gemeinsame Zukunft. Als er jedoch eine Unterhaltung von ihr überhört, aus der hervorgeht, dass sie offenbar einen anderen zu heiraten beabsichtigt, distanziert sich William von ihr. Als Mademoiselle Reuter jedoch mitbekommt, dass sich zwischen William und Mademoiselle Frances Henri, einer jungen Lehrerin an ihrem Institut, eine Verbindung anzubahnen scheint, setzt sie alles daran, diese im Keim zu ersticken…

 

In „Der Professor“ verarbeitete Charlotte Brontë viele ihrer Erfahrungen, die sie während ihrer Arbeit als Schülerin und schließlich als Lehrerin in Brüssel gemacht hatte. Dort verliebte sie sich in Constantin Héger, der gemeinsam mit seiner Frau das Institut leitete, an dem Charlotte Brontë unterrichtete und der, als sie ihm nach ihrer Rückkehr nach England in ihren Briefen ihre Gefühle offenbarte, den Kontakt zu ihr abbrach.

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  • Originaltitel: The Professor
  • ISBN-10: 3458360476
  • Taschenbuch: 372 Seiten
  • ISBN-13: 978-3458360476
  • Herausgeber: Insel Verlag; 1. Auflage (8. Dezember 2014)
  • Sprache: Deutsch

Die Romane der Brontë-Schwestern: Villette von Charlotte Brontë

"VILLETTE" VON CHARLOTTE BRONTË

Der Roman „Villette“ erzählt die Geschichte der Engländerin Lucy Snowe. Aus unglücklichen Lebensverhältnissen stammend, sucht sie als junge erwachsene Frau ein eigenes Auskommen zu finden und gelangt schließlich in das französische Städtchen Villette. Fast völlig mittellos kann sie eine Stellung zunächst als Kinderfrau, dann als Englischlehrerin am Institut der Madame Beck finden, die ihr Institut für Mädchen mit eigenwilliger Hand führt.

 

Auch wenn nie ganz klar wird, was für schlimme Erlebnisse Lucy in ihrer Jugend durchmachte, lässt sich nur vermuten, dass sie ihre Familie verlor. Um sich herum baut die junge Frau eine Wand, ein Schutzwall gegen die Gefühle, die Gefahren und Verletzungen mit sich bringen. Aus sicherer Entfernung beobachtet sie das sprudelnde Leben um sie herum, die Schülerinnen am Institut, die Lehrer und Madame Beck. Und hinter dieser Wand leidet sie mehr und mehr an ihrer Einsamkeit, scheint förmlich an dieser zu ersticken.

 

Kurze Zeit nach ihrer Ankunft erkennt sie in dem jungen Arzt Dr. John Graham Bretton, der am Institut die kranken Schülerinnen betreut, einen Freund aus ihren Kindertagen wieder. Bei ihm und seiner Mutter verlebte sie in einst eine unbeschwerte Zeit. Auch die beiden hat es nach Villette verschlagen. Es scheint, als ob sie und der Arzt, der jedoch an einer der Schülerinnen des Instituts Ginerva Fanshawe interessiert ist, Lucy aus ihrer Einsamkeit erretten können. Lucy verliebt sich in den gut aussehenden, beliebten jungen Mann. Und dennoch: Ihre Liebe bleibt unerwidert und es folgt unweigerlich für sie der Schmerz.

 

Gleichzeitig gerät sie mehr und mehr in den Bann des mysteriösen Paul Emmanuel, der ebenfalls am Institut der Madame Beck unterrichtet und so etwas wie deren rechte Hand zu sein scheint. Seine Beziehung zu Lucy Snowe könnte widersprüchlicher nicht sein. Und doch fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen…

 

Villette war der letzte Roman, den Charlotte Brontë veröffentlichte. Ähnlich wie „Der Professor“ trägt „Villette“ augenscheinlich starke autobiografische Züge aus Charlotte Brontës Zeit als Lehrerin in Belgien. Und mehr noch als in ihrem anderen Roman verarbeitet sie hier offenbar ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle, als sie sich ohne Aussicht auf Erwiderung der Gefühle in den verheirateten Constantin Héger verliebte.

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  • Originaltitel: Villette
  • ISBN-10: 3458360077
  • ISBN-13: 978-3458360070
  • Taschenbuch: 776 Seiten
  • Herausgeber: Insel Verlag; 2. Auflage (19. Mai 2014)
  • Sprache: Deutsch

Die Romane der Brontë-Schwestern: Sturmhöhe von Emily Brontë

"STURMHÖHE" VON EMILY BRONTË

Die dramatischen Ereignisse, die sich auf „Wuthering Heights“ ereignen, führen in die raue Gegend Yorkshires. Der Roman verfolgt die Beziehung zwischen Heathcliff und Catherine. Heathcliff wurde einst von dem Landgutbesitzer Earnshaw auf den Straßen Liverpools aufgelesen und mit nach Hause, nach Wuthering Heights gebracht. Dadurch rettete er ihm sein Leben. Catherine wiederum ist die leibliche Tochter Earnshaws.

 

Zwischen beiden besteht eine tiefgehende, romantische Liebe, die seitens Heathcliff weit über den Tod hinaus bestehen bleibt. Aber auch die unversöhnliche Rache innerhalb der Familie, die das Leben bis in die nächste Generation tragisch beeinflusst, passen perfekt zur wilden Umgebung des Nordens, den Emily Brontë so sehr liebte. Bis heute zieht der Roman seine Leser weltweit in seinen Bann und wühlt ihre Gefühle auf.

 

1847 zum ersten Mal veröffentlicht, ist „Die Sturmhöhe“ ein absoluter Klassiker der viktorianischen Literatur. Zur Zeit seiner Erscheinung verursachte er so einigen Wirbel, denn schon dem damaligen Leser war offensichtlich, dass die althergebrachten Moralvorstellungen vom Autor, von dem man damals noch ausging, rundweg abgelehnt wurden. Kurze Zeit danach wurde bekannt, dass sich hinter dem Pseudonym eine Autorin verbarg. Auch das war damals noch eine Seltenheit und ließ den Inhalt des Romans für die damaligen Leser um einiges dramatischer und verwirrender erscheinen.

 

Zwischen dem zügellosen Charakter Heathcliff und der eigenbrötlerischen Emily Brontë mit ihrem stürmischen und kompromisslosen Charakter werden oft Parallelen gezogen. Eine Tatsache, die den einzigen Roman, den sie in ihrem kurzen Leben schreiben konnte, noch um einiges interessanter macht.

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  • Originaltitel: Wuthering Heights
  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • ISBN-10: 342314355X
  • ISBN-13: 978-3423143554
  • Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft (1. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch

Die Romane der Brontë-Schwestern: Agnes von Anne Brontë

"AGNES" VON ANNE BRONTË

Agnes Grey ist das Erstlingswerk von Anne Brontë, der jüngsten der drei Brontë-Schwestern. Er basiert auf den eigenen Erfahrungen Anne Brontës als Gouvernante. In den Jahren seiner Veröffentlichung um 1840 wurde die Stellung der Gouvernante öffentlich diskutiert. Gouvernanten jener Zeit waren unabdingbar für die Erziehung der Kinder reicher Familien. Sie standen jedoch irgendwo zwischen den Stühlen, in einer undefinierten Stellung in der Gesellschaft, denn sie hatten in der Regel selbst eine gute Erziehung genossen und kamen meist aus der Mittelschicht, waren also darauf angewiesen, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen, meist, weil sie keine finanzielle Unterstützung meist männlicher Verwandter wie Vater, Bruder oder Ehemann hatten. Insofern zeigten Gouvernanten deutlich, in welcher ungleichen Lage sich Frauen im viktorianischen England befanden. Dem eigenen Verständnis nach hätte ihnen eine angemessene soziale Stellung zugestanden, von ihren Arbeitgebern und sogar von anderen Bediensteten wurden sie jedoch nicht anerkannt, sondern herabgewürdigt.

 

Diese bitteren Erfahrungen muss auch Agnes Grey machen, die jüngste zweier Schwestern, Töchter eines Pfarrers, der aufgrund unglücklicher Spekulationen sein Angespartes verloren hat. Und so beschließt Agnes, die es eigentlich in die Welt zieht, und die bis dato noch nie ihr Elternhaus in einem kleinen Ort in Nordengland verlassen hat, sich eine Stelle als Gouvernante zu suchen.

 

Doch schon ihre erste Anstellung ist alles andere als einfach. Sie gelangt zunächst in das Haus der Bloomfields, mit ihren verzogenen kleinen Kindern, die nicht zu bändigen und schon gar nicht zu erziehen oder zu unterrichten sind und deren Unzulänglichkeiten die Eltern den Gouvernanten anlasten. Eine verzweifelte entbehrungsvolle Stellung, die sie völlig allein in der Fremde meistern muss. Zum Eklat kommt es kurz nachdem sie verhindert, dass einer ihrer Schützlinge auf Ermunterung seines Onkels erneut Tiere quält. Bald darauf verliert Agnes ihre Stellung.

 

Der zweite Versuch führt sie zur Familie Murray, wo sie alsbald auf Horton Lodge die Erziehung der beiden Töchter Matilda und Rosalie übernimmt. Auch diese sind eher verzogen, aber angehende junge Damen und eher zu bändigen. Aber auch hier hadert Agnes mit ihrer eigenen Stellung, aber auch dem Charakter der jungen Frauen und der Anerkennung ihrer Tätigkeit. Ziel scheint einzig und allein zu sein, die jungen Damen gut zu verheiraten – Bildung ist dabei zweitrangig. Dabei wird Agnes Grey in die Intrigen vor allem der beiden Töchter einbezogen. Im Ort begegnet Agnes dem jungen Hilfspfarrer Mr. Edward Weston, zu dem sie sich hingezogen fühlt, der aber ihre Gefühle, über die sie sich zunächst selbst im Unklaren ist, nicht zu erwidern scheint. Darüber hinaus setzt sich die älteste Tochter des Hauses zum Ziel, vor ihrer anstehenden Hochzeit so viele Männerherzen wie möglich zu brechen, und wirft ihr Auge auf Mr. Weston…

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  • Originaltitel: Agnes Grey
  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • ISBN-10: 3423143568
  • ISBN-13: 978-3423143561
  • Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft (1. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch

Die Romane der Brontë-Schwestern: Die Herrin von Wildfell Hall von Anne Brontë

"DIE HERRIN VON WILDFELL HALL" VON ANNE BRONTË

„Die Herrin von Wildfell Hall“ von Anne Brontë ist die unglaublich bewegende Geschichte der Helen Huntingdon und ein brennendes Plädoyer für die Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung der Frau. Der Roman wird oft gar als erster feministischer Roman Englands gesehen.

 

Die Ereignisse führen den Leser ins England Anfang des 19. Jahrhunderts. Im England Anfang des 19. Jahrhunderts haben Ehefrauen jedoch kaum Rechte. Mit der Heirat geht ihr Vermögen an ihren Ehemann über. Einen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, ist schlicht unmöglich, zumal auch dieser Verdienst dem Ehemann zugeschrieben werden würde. So haben sie keine Möglichkeit auf Selbstverwirklichung, Anerkennung und Gleichberechtigung und im Fall einer Trennung würden sie ihre Kinder an den Ehemann verlieren. In dieses Umfeld nun ist der Roman von Anne Brontë eingebettet.

 

Der Roman besteht im Prinzip aus zwei Handlungen. Einerseits ist da Helen Graham, die mysteriöse Herrin von Wildfell Hall, eine Witwe, die mit ihrem Sohn die neue Mieterin von Wildfell Hall ist. Ihre Zurückgezogenheit und ihr Auftreten, das so ganz anders als das übliche Verhalten der Gemeinschaft ist, lassen unter ihren Nachbarn schnell Gerüchte über sie entstehen. Einer ihrer Nachbarn ist jedoch Gilbert Markham, der sich in die unnahbare Witwe verliebt. In seine Hände legt sie schließlich ihr Tagebuch und aus diesem erfahren wir als Leser ihre wahre Geschichte.

 

Die junge Helen nämlich, hatte sich in den attraktiven Lord Huntingdon verliebt und heiratet ihn entgegen den Ratschlägen ihrer Familie. Schnell stellt sich heraus, dass Arthur Huntingdon ein charakterloser, egoistischer und grausamer Mensch und zudem Alkoholiker ist. Für ihn ist seine Frau sein Besitz und er erwartet von ihr Gehorsam und Nachgiebigkeit. Helen liebt ihren Mann, auch wenn sie seine Fehler erkennt und hofft, dass er sich zum Besseren ändert. Sie selbst hält lange zu ihm und fühlt sich den ihr auferlegten Pflichten als Ehefrau verbunden. Doch seine Demütigungen und sein schlechtes Verhalten werden immer schlimmer. Als sein desaströser Lebensstil schließlich katastrophale Auswirkungen auf ihren kleinen Sohn zu haben beginnt, entschließt sie sich, vor allem zu dessen Schutz, zu einem drastischen, für Frauen jener Zeit unüblichen Schritt…

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  • Originaltitel: The Tenant of Wildfell Hall
  • Taschenbuch: 653 Seiten
  • ISBN-10: 3458351027
  • ISBN-13: 978-3458351023
  • Herausgeber: Insel Verlag; 4. Auflage (17. November 2008)
  • Sprache: Deutsch

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