DIE GESCHICHTE VON LONDON - EIN KURZER AUSFLUG IN VERGANGENE ZEITEN

Alljährlich zieht es ganze Touristenströme in die Metropole an der Themse. Nicht nur die kosmopolitische Atmosphäre, sondern auch Londons beeindruckende und lange Geschichte faszinieren ihre Besucher.  Grund genug, sie bei den England Notes ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Römer in London

An der Stelle des heutigen Londons siedelten bereits schon die Kelten. Als die Römer 43 n. Chr. zum zweiten Mal britischen Boden betraten, sich diesmal für längere Zeit im Land einzurichten, begründeten die in der Gegend des heutigen Southwark, südlich der City of London, ihren Verwaltungssitz und nannten die Stadt Londinium. Deshalb: Ist man auf den Spuren der Römer in London unterwegs, so wird man hauptsächlich in der City und in Southwark fündig, eben genau dort wo die Römer einst siedelten. Vom Museum of London aus kann man sogar alte Teile der römischen Stadtmauer sehen. Auch die Bezeichnungen der ehemaligen Stadttore aus der Zeit der Römer in London sind erhalten geblieben in Namen wie Aldgate, Bishopsgate und Ludgate.

Blick von der National Gallery auf Nelsons Column auf dem Trafalgar Square in London, England.
Nelsons Column auf dem Trafalgar Square erinnert an den siegreichen Helden und die Schlacht von Trafalgar.

London während der Zeit der Angelsachsen und der Wikinger

Nachdem die Römer Britannien verlassen hatten, folgten kurze Zeit darauf die Angeln und die Sachsen. Auch unter ihnen blieb Londinium, dass nun Lundenwic genannt wurde, eine für das Land wichtige Handelsstadt. Dieser Umstand lockte aber auch die Wikinger an, die ab Ende des 8. Jahrhunderts auf den britischen Inseln und damit auch mehrfach in London einfielen und Teile des Landes besetzt hielten. Als die Angelsachsen schließlich unter Alfred dem Großen geeint wurden, machte dieser Winchester zu seiner Hauptstadt. Trotzdem nahm London auch für ihn eine wichtige Position für den Ausbau seiner Macht über die nun geeinten angelsächsischen Länder ein.

Von Wilhelm dem Eroberer bis zu den Tudors - London wächst und gedeiht

Zur Hauptstadt wurde London dann im Jahr 1066 mit der Ankunft von Wilhelm dem Eroberer. Nun begann der endgültige Aufschwung der Stadt, Westminster wurde zum Zentrum der Macht der Normannen. In diese Zeit fällt auch der Beginn des Baus des Tower of London. In den folgenden Jahrhunderten wuchs und gedieh die Stadt weiter. Doch dem Bevölkerungswachstum wurden durch immer wiederkehrende Epidemien arge Grenzen gesetzt und die 50.000 Einwohner-Marke konnte lange Zeit nicht durchbrochen werden. Die verheerendsten Folgen zeigte vor allem die Pest, der „schwarze Tod“, von der London mehrmals heimgesucht wurde.

 

Unter den Tudors stieg die Bevölkerung dann jedoch auf das fünffache an und machte damit in ihrer Größe Städten wie Paris Konkurrenz. Nach Ende des Hundertjährigen Kriegs und dem Ende der Rosenkriege konnte das Land endlich aufatmen. In London entstanden solch neue imposante Gebäude wie der St. James’s Palace als neuer Königspalast. Die Londoner Börse wurde eröffnet, ein besonderes Ereignis. Vor allem unter Elizabeth I., im sogenannten elisabethanischen Zeitalter, blühte der Handel blühte. Dies galt vor allem nachdem die Briten nach dem Sieg über die spanische Armada die Weltmeere für sich reklamieren konnten und der Grundstein für eine über mehrere Jahrhunderte währende Vormachtstellung zur See gesichert wurde. Damit wurden auch neue Handelswege nach Asien und nach Amerika erschlossen. Der Grundstein für das Britische Weltreich wurde in jenen Tagen gelegt, was einen Aufschwung nicht nur für das Land, sondern auch für die Hauptstadt an der Themse bedeutete.

Das Große Feuer von London, ein Neuanfang, bis ins georgianische Zeitalter

Doch dann kam es zu einem immensen Schicksalsschlag: Nachdem 1665 erneut die Pest in bisher unbekanntem Ausmaß in der Hauptstadt gewütet hatte, wurden im darauffolgenden Jahr beinahe die gesamte Stadt durch ein Feuer zerstört. Nur wenige Gebäude aus der Zeit vor dem Great Fire of London blieben erhalten. Darunter sind die Westminster Abbey und der Tower of London.

 

Doch die Stadt erholte sich schnell von diesem großen Unglück. Die Notwendigkeit des Wiederaufbaus barg auch Möglichkeiten, denn nun konnten breitere Straßen anstelle der mittelalterlichen Gassen und engeren Straßen angelegt werden, neue architektonische Meisterwerke, allen voran die von Christopher Wren entworfene St. Paul’s Cathedral, entstanden. 

 

Anfang des 18. Jahrhunderts, im Jahr 1714 genau genommen, brach dann das georgianische Zeitalter an. Das Haus Hannover, das mit dem ersten Weltkrieg in Windsor umgetauft wurde, hatte nun den Thron in Westminster inne. In dieser Zeit wuchs London weiter als eines der wichtigsten europäischen Handelszentren. Auch architektonisch entwickelte sich die Stadt weiter. Adlige Landbesitzer ließen allerorts beeindruckende Stadthäuser bauen, Plätze und Grünanlagen wurden angelegt. Die prachtvolle Regent Street und der Piccadilly Circus, die heute noch erglänzen, wurden angelegt. Die Stadt begann sich ins Umland vorzuschieben. Waren Islington und Hampstead im Norden bisher noch Dörfer gewesen, so wurden sie nun zu Stadtteilen Londons. Auch im heutigen Zentrum entstanden neue Stadtteile, beispielsweise Mayfair und Belgravia. Aber auch nach Westen, Süden und Osten schoben sich die Stadtgrenzen vor. Im Osten entstanden die Docks zum Entladen der Schiffe, denn London war zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur größten Hafenstadt der Welt geworden.

Das viktorianische Zeitalter

Als Königin Victoria 1837 das Zepter im Land übernahm, läutete sie damit das viktorianische Zeitalter ein. Zu dieser Zeit war die industrielle Revolution in vollem Gange. Die Bevölkerung wuchs rasant und Millionen ehemaliger Landarbeiter zog es allerorts auf der Suche nach Arbeit in die Städte, so natürlich auch nach London. Die katastrophalen hygienischen Zustände führten 1832 zur ersten von mehreren Cholera-Epidemien in der Hauptstadt. Erst die Verbesserung der hygienischen Bedingungen und der Kanalisation brachte Abhilfe.

 

Doch das viktorianische Zeitalter brachte auch an anderer Stelle Veränderungen und zwar dauerhaften Fortschritt. So begann man 1863 mit dem Bau der Londoner U-Bahn. Der Bau der Eisenbahnlinien machte wiederum die Errichtung von Bahnhöfe notwendig. Die Tower Bridge und das Houses of Parliament wurden errichtet. Die Great Exhibition im Crystal Palace im Hyde Park zog 1851 mit 6 Mio. Besuchern einen Großteil der Bevölkerung an.  In London präsentierte sich damit das Land als Vorreiter und gab selbstbewusst seiner Vormachtstellung Ausdruck. Auch die großen Parkanlagen wie der Regent’s Park wurden in dieser Zeit geschaffen, nämlich 1830. Viele weitere Parks folgten diesem. Auch kulturell entwickelte sich die Stadt mit einer blühenden Theaterlandschaft wie nirgends sonst auf der Welt, ein Umstand, der bis heute geblieben ist.

Ins neue Millennium

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen auch in London die amerikanische Kultur und die Goldenen Zwanziger an. In den dreißiger Jahren wurde auch London hart von der Weltwirtschaftskrise getroffen. Die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg führten zu Neubauten nach dem Krieg, ein regelrechter Bauboom setzte ein und die Industrie einschließlich der Docks wurden an den Stadtrand und ins Umland verdrängt. Die sechziger Jahre machten London zu einem der Zentren in Sachen Mode, aber auch Musik. Man denke nur an die Abbey Studios und das berühmte Zebrastreifenbild der Beatles. Und so findet man eben auch heute noch Stadtviertel, in denen das Flair der sechziger und siebziger Jahre zu finden ist, so wie Camden Town oder Portobello Road. Um die Jahrtausendwende entstanden wiederum neue Bauwerke, die das Stadtbild gründlich veränderten. Zu ihnen zählen der Millennium Dome, die Millennium bzw. O2 Arena und das Riesenrad London Eye, aber auch viele Gebäude in den restaurierten Docklands. Im Jahr 2012 wurden in London zum inzwischen dritten Mal die Olympischen Spiele abgehalten.